Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hob die Digitalverlegerin Arianna Huffington ihr jüngstes Webportal aus der Taufe. Die Webseite The World Post soll Beiträge von Mächtigen ebenso wie von bisher ungehörten Unbekannten versammeln.
„Greetings from Davos“ schickte Arianna Huffington diese Woche. Die Chefin des Nachrichtenportals Huffington Post war unter anderem Gast beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Nobelort, um dort ein neues Webportal zu präsentieren. Gemeinsam mit dem deutsch-amerikanischen Investor, Kunstsammler und Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen hob sie ihr jüngstes „Baby“ in einem italienischen Restaurant aus der Taufe.
Das digitale Kind heißt The World Post und soll nichts weiter schaffen als den Spagat, die politische und wirtschaftliche Weltelite ebenso zu Wort kommen zu lassen wie junge Menschen, „deren Stimmen womöglich ungehört bleiben würden“, so Huffington. Was die prominenten Autoren wie Google-Boss Eric Schmidt, eBay-Gründer und Neo-Verleger Pierre Omidyar, Microsoft-Grüner Bill Gates oder Englands Ex-Premier Tony Blair und die unbekannten Blogger eint, ist, dass sie sich Arianna Huffingtons Spielregeln unterwerfen. Sie liefern Texte ohne Honorar und helfen der Internetverlegerin, ihr Imperium, das noch Verluste von sechs Millionen Dollar pro Jahr macht, auszubauen. 2014 will die Originalseite HuffPo erstmals schwarze Zahlen schreiben.
Stolz berichtete Huffington in ihrem World-Post-Editorial, dass sie von Davos aus weiter nach São Paulo reisen werde, um dort die Brasil Post zu präsentieren. Nach dem Launch der deutschen HuffPo im vergangenen Oktober sind somit zehn Länderausgaben des Internetportals online. Die Huffingtonisierung des Internets schreitet voran.
Watson News in der Schweiz. Interessanterweise fiel der Start des neuen Internetportals, auf dem vorrangig internationale Politik und Debatten diskutiert werden sollen, in eine Woche, in der in der Schweiz noch ein weiteres Webportal startete. Der Schweizer Verleger und ehemalige 20-Minuten.ch--Chefredakteur Hansi Voigt hat dieser Tage sein mit 16 Millionen Euro finanziertes Portal watson.ch gestartet. Eine Nachrichtenseite, die vor allem wegen ihres neuartigen und bildlastigen Layouts und einer schnellen Sprache auffällt. Unterhaltung und Satire gehören hier ebenso zum Konzept wie klassische Nachrichten. So soll etwa der ehemalige „Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer Texte schreiben. Und man kooperiert mit Spiegel Online. Der deutsche Trendblogger Christian Simon rechnete vor, dass das Watson-Startkapital von 16 Millionen Euro umgerechnet auf die Einwohner der jeweiligen Länder Schweiz und USA mehr ist als das, was Pierre Omidyar in sein neues Medienprojekt mit NSA-Aufdecker Glenn Greenwald stecken will.
Nicht ganz so viel Geld, aber immerhin eine Million Euro will der österreichische Investor Thomas Polak in das heimische Online-Männermagazin Vangardist stecken, wie diese Woche bekannt wurde. Damit will man 2014 nach Deutschland und in die USA expandieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2014)