Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Kölns Kardinal: "Familie von euch ersetzt mir drei muslimische"

Der Kölner Kardinal Meisner will seine Äußerungen
Der Kölner Kardinal Meisner will seine Äußerungen "als Wertschätzung für Familien" verstehen, "in denen der Glaube lebt und fruchtbar wird".(c) imago/Horst Galuschka (imago stock&people)
  • Drucken

Für seine Äußerungen zum Kinderreichtum von Muslimen vor konservativen Katholiken hagelte es für den Kölner Kardinal Meisner heftige Kritik. Nun bedaure er seine Wortwahl.

"Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien" - dies sagte der Kölner Kardinal Meisner am 24. Jänner bei einer Buchvorstellung vor Mitgliedern der katholisch-konservativen Bewegung Neokatechumenaler Weg. Von seiten der Regierung, Muslime in Deutschland und Landespolitiker stießen seine Äußerungen auf empörten Widerspruch. In seiner Stellungnahme bedaure er seine Wortwahl, die "in diesem Fall vielleicht unglücklich" gewesen sei.

"Wertschätzung für Familien"

"Bedauerlicherweise hat meine Äußerung über muslimische Familien für Irritationen gesorgt. Meine Wortwahl war in diesem Fall vielleicht unglücklich." Seine Äußerung wolle er "als Wertschätzung für Familien" verstehen, "in denen der Glaube lebt und fruchtbar wird". Er habe lediglich das beispielhafte Wirken des Neokatechumenalen Wegs hervorheben wollen: "Dort erlebe ich eine außergewöhnliche Glaubenskraft, die für die Weitergabe des Glaubens vorbildlich ist." Die Familie sei für die "Weitergabe des christlichen Glaubens unersetzlich".

Muslime verärgert

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, wertete dies gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwochsausgabe) als Versuch des scheidenden Kardinals, "sich mit Sarrazin-ähnlichen Äußerungen über Muslime einen rustikalen Abgang zu sichern". Meisner bediene Ressentiments und islamfeindliche Stimmungen, "die wir so von der katholischen Kirche und besonders vom neuen Papst nicht kennen", sagte Mazyek.

Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union Ditib sagte dem Blatt: "Man stelle sich vor, ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position würde diesen Satz formulieren - ein Empörungsschrei ginge durch die Gesellschaft."

Regierung äußert Kritik

Auch Vertreter der Regierung ärgerten sich über Meisner: Der religionspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Beck, forderte eine Entschuldigung von Meisner. "Seine Äußerungen gefährden den öffentlichen Frieden", kritisierte Beck in Berlin. Das Christentum fordere "von uns Respekt vor allen Menschen".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sprach gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger" von der "persönlichen Meinung eines katholischen Würdenträgers", die sie nicht kommentiere, "auch wenn ich sie nicht verstehe".

Neukatechumenale Weg

Die Glaubensbewegung wurde 1964 von dem Spanier Kiko Argüello gegründet und ist vom Vatikan anerkannt. Laut Spiegel Online empfing Papst Franziskus erst im September 2013 Argüello in Rom. Der Neukatechumenale Weg ist nach eigenen Angaben in 105 Nationen und mehr als 900 Diözesen vertreten - weltweit gibt es demnach über 20.000 Gemeinschaften und mehr als 70 Priesterseminare. Kritiker werfen der Gruppe konservative Anschauungen vor.

 

>> Spiegel Online

>> Kölner Stadt-Anzeiger

(APA/AFP/Red.)