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Forschungsrat fordert 200 Millionen mehr pro Jahr

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Um das Regierungsziel zu erreichen, muss die Regierung tief in die Tasche greifen, so Forschungsrats-Chef Hannes Androsch.

Ein "Jahrzehnt der Priorität für Universitäten und Forschung" forderte der Forschungsrat im Vorfeld der Budgetverhandlungen gemeinsam mit Vertretern der Unis und Förderagenturen am Mittwoch. Um das Regierungsziel zu erreichen, bis 2020 die Forschungsausgaben auf 3,76 Prozent zu steigern, seien jährlich zusätzlich 200 Mio. Euro nötig, sagte Forschungsratschef Hannes Androsch vor Journalisten.

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) hat eine Empfehlung verabschiedet, in der die Regierung aufgerufen wird, "die angekündigten und notwendigen Maßnahmen zur Finanzierung des tertiären Sektors sowie der öffentlichen F&E-Gesamtausgaben unverzüglich zur Umsetzung zu bringen". Nur durch eine kontinuierliche Steigerung der Ausgaben könne ein nachhaltiges Wachstum für Wissenschaft und Forschung gewährleistet werden.

"Das Geld ist da"

Um das in der Forschungsstrategie der Bundesregierung verankerte Ziel zu erreichen, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) auf 3,76 Prozent des BIP zu steigern, sind alleine von der öffentlichen Hand kumuliert über zwei Mrd. Euro zusätzlich bis zum Ende der Legislaturperiode notwendig, verweist der RFT auf Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Im tertiären Bildungssektor insgesamt müssten in diesem Zeitraum jährlich 400 Mio. Euro zusätzlich aufgewendet werden, um die Aufwendungen für die Hochschulen auf zwei Prozent des BIP zu erhöhen.

"Das Geld ist da, es wird nur falsch ausgegeben", betonte Androsch unter Verweis etwa auf die Aufwendungen für die Pendlerpauschale oder Kyoto-Zertifikate. Im Zusammenhang mit geplanten Einsparungen bei den Ermessensausgaben bezeichnete es der RFT-Chef als "absurd, wenn man einem Unterernährten noch die Essensration kürzt".

"Leistungsexplosion" der Unis

Harald Kainz, Rektor der Technischen Universität Graz, verwies auf die "Leistungsexplosion" der Unis im Rahmen ihrer seit zehn Jahren bestehenden Autonomie. Weil in den nächsten Monaten die Weichen für die Uni-Finanzierung 2016 bis 2018 gestellt werden, forderte Kainz eine gesicherte Index-Anpassung, zusätzliche Mittel für die kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung und Forschungsinfrastruktur und mehr Geld für Grundlagenforschung. Dazu müssten die Mittel für die Leistungsvereinbarungsperiode 2016-2018 gegenüber der derzeit laufenden um 15 bis 20 Prozent steigen.

"Wir schöpfen unser Forschungspotenzial nicht aus", betonte die Präsidentin des Grundlagenforschung fördernden Wissenschaftsfonds FWF, Pascale Ehrenfreund, unter Hinweis darauf, dass Anträge an den FWF in Höhe von 80 Mio. Euro aus Geldmangel nicht bewilligt werden können, obwohl sie gut bewertet wurden. Um dem Anstieg der Anträge gerecht zu werden, sei eine Anpassung des FWF-Budgets um zehn Prozent pro Jahr notwendig - was zumindest für 2014 erreicht wurde. 2015 sind es nur mehr drei Prozent plus. Um neue Initiativen zu setzen und Overheadkosten in allen Programmen zu zahlen, müsste das FWF-Budget bis 2018 auf 487 Mio. Euro steigen (derzeit rund 200 Mio. Euro), sagte Ehrenfreund.

Auch private Investitionen

Das 3,76-Prozent-Ziel sei nur erreichbar, wenn es gelingt, mit öffentlichen Mitteln auch private Investitionen in den Forschungsbereich zu mobilisieren, betonte der Geschäftsführer der primär im angewandten Forschungsbereich tätigen Forschungsförderungsgesellschaft FFG, Klaus Pseiner. Durch eine zehnprozentige Budgetsteigerung könnte man die Dynamik der vergangenen Jahre langfristig absichern. "Das sind keine Almosen, sondern eine Investition in die Zukunft", sagte Pseiner. Nach den derzeit kolportierten Budgetzahlen für die FFG sei aber ein Zehn-Prozent-Plus noch nicht erreicht.

(APA)