Schnellauswahl

Akademikerball: FPÖ-Mandatar zieht Judenvergleich

Akademikerball: FPÖ-Mandatar zieht Judenvergleich
Demo gegen AkademikerballAPA/HERBERT P. OCZERET
  • Drucken

Im Wiener Gemeinderat wurde heftig über den Ball und die teils gewaltsamen Proteste dagegen gestritten. SPÖ und Grüne beschließen eine Resolution gegen die Veranstaltung in der Hofburg.

"Wir sind die neuen Juden", soll FP-Chef Heinz-Christian Strache am WKR-Ball vor zwei Jahren gesagt haben. Nun zieht erneut ein freiheitlicher Politiker einen Vergleich zwischen den Protesten gegen den Ball und der Judenverfolgung: "Ersetzen Sie das Wort Jude durch Nazi, dann haben Sie genau die Parolen, die Ihre Anhänger gebrüllt haben", sagte der Wiener Abgeordnete Wolfgang Jung am Donnerstag im Gemeinderat in Richtung SPÖ und ÖVP. Dazu, dass "Radaubrüder" und "Radikalinskis" aus Deutschland zu den Demos angereist seien, meinte er: "Heute erfolgt der Anschluss von links!"

"Sie freuen sich ja über Ausschreitungen: Je mehr Krawall, je mehr Bahö, desto besser für Sie. Der Herr Generalsekretär reibt sich die Hände", entgegnete SPÖ-Mandatar Peko Baxant. Sein Parteikollege Godwin Schuster betonte: "Ich habe einen Motor in mir, der da lautet: Ich möchte unter keinen Umständen erleben, dass Hass und Ausgrenzung dazu führen, was damals in der Vorkriegs- und Kriegszeit den Menschen passiert ist." Deshalb sei er froh, dass sich Menschen vergangenes Wochenende im gewaltfreien Protest organisiert hätten.

Der Akademikerball richte "jedes Jahr den größten Schaden an Österreich und Wien an", sagte der Grünen-Gemeinderat Senol Akkilic. Dabei sei in Fragen des Rassismus hohe Sensibilität gefragt, zumal Österreich in diesen Fragen eine schwer belastete Vergangenheit habe. Asylsuchende als Betrüger zu diffamieren sei etwa die Fortsetzung des NS-Gedankenguts mit anderen Mitteln.

Resolution gegen Akademikerball in der Hofburg

Mit den Stimmen der Wiener Regierungsparteien SPÖ und Grüne wurde eine Resolution angenommen, in der sich der Gemeinderat dafür ausspricht, dass der Akademikerball künftig nicht mehr in der Hofburg abgehalten wird.  Außerdem wird darin "jede Gewaltausübung als Mittel politischer Auseinandersetzung" abgelehnt.

Ein Beschlussantrag der FPÖ, die Gewaltakte von Freitagabend zu verurteilen und etwaigen Geschädigten ohne Versicherung Schadenersatz zukommen zu lassen, wurde hingegen mehrheitlich abgelehnt.

(APA/Red.)