Finanzrebell Staudinger gibt "w.o."

"Wir geben w.o. und machen bei diesem kindischen Spiel mit", sagte Staudinger am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien.

Wien. Der als Schuhrebell bekannt gewordene GEA-Waldviertler Schuh- und Möbelproduzent Heini Staudinger hat für die von der Finanzmarktaufsicht FMA geforderte Umstellung seines umstrittenen Finanzierungsmodells eine Fristverlängerung um drei Monate beantragt.
Staudinger ist im Behördenstreit um sein umstrittenes Finanzierungsmodell bei den beiden Höchstgerichten abgeblitzt und bekam zuletzt auch vom Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) einen Korb. Bis Ende Jänner gewährt die FMA Staudinger nun eine Nachfrist, um entweder das ausgeborgte Geld zurückzuzahlen oder alternative Lösungen vorzulegen.

Alternativmodell gesucht

Ein erster Vorschlag zur Umstellung des alten Finanzierungsmodells, bei dem die Darlehensgeber eine Nachrangigkeitserklärung unterzeichnen sollten, scheiterte erst vor kurzem am Einspruch der FMA. Grund dafür war, dass Staudinger die Nachrangigkeitserklärungen zum besseren Schutz der Gläubiger mit persönlichen Bürgschaftserklärungen verbinden wollte. Dies sei aber Banken vorbehalten, hieß es heute.
Nicht in Frage kommt für Staudinger eine alternative Finanzierung über Anleihen, da diese aufgrund der Prospektpflicht für KMU zu kostenaufwendig sei.

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"Wir versuchen nun ein Modell zu finden, das auch weitgehend den Anlegerschutz garantiert", kündigte Karl Staudinger vom GEA-Rechtsteam und Bruder des GEA-Gründers heute an. Beim in Ausarbeitung befindlichen neuen Finanzierungsmodell dürften die Nachrangigkeitserklärungen um eine Art Selbstverpflichtung des Darlehensnehmers ergänzt werden.

Drei Monate für drei Millionen

Die beantragten drei Monate Fristerstreckung benötige man, um von allen 197 Darlehensgebern die Einverständniserklärungen für die Änderungen ihrer mit 4 Prozent verzinsten Darlehensverträge zu erhalten. "Wir rechnen mit einer freundlichen Bejahung durch die FMA", meinte Heini Staudinger. Das gesamte von der Umstellung betroffene Darlehensvolumen macht knapp 3 Mio. Euro aus.

Die bisher als "Sparverein" bezeichneten Darlehensbeziehungen werden in "Apfelbäumchen" umbenannt. In Zukunft werde "Transparenz" die Hauptrolle spielen, und nicht die "Nachrangigkeit", so Staudinger. So werde es in Zukunft halbjährliche Finanzberichte geben und einmal jährlich eine "Apfelbäumchen-Konferenz" zur Besprechung der Bilanz und der Verwendung der Darlehen geben.

Bilanzzahlen für die drei Darlehensempfänger legte Staudinger bereits heute vor: Demnach haben die Heinrich Staudinger GmbH, die Waldviertler Werkstätten GmbH und GEA Berlin 2012 gemeinsam 20,3 Mio. Euro umgesetzt und nach Steuern 789.000 Euro Gewinn erwirtschaftet. Für 2013 wird ein neue Rekordumsatz von rund 25 Mio. Euro erwartet. Beschäftigt werden rund 250 Mitarbeiter.

Kampfansage an Genossenschaften

Laut Heini Staudinger gebe es aktuell Versuche, einen neuen Genossenschaftsverband zu gründen - neben Raiffeisen und den Volksbanken. Dies sei ab drei Genossenschaften möglich. "Wir trauen uns diese Hürde zu", so Staudinger. Er sei schon in Kontaktpflege mit anderen Interessenten. Das Crowdfunding-Problem sei damit aber nicht lösbar. Die Hauptgründe seien vielmehr, dem Genossenschaftswesen neue Impulse zu geben und sich vor Übernahmen zu sichern.

Mario Fercher, Finanzreferentin vom internationalen Hilfswerk "Jugend Eine Welt/Don Bosco", kritisierte beim Pressegespräch, dass mit der Nachrangigkeitsstellung die Darlehensgeber zu Gläubigern zweiter Klasse werden. Sie forderte den Gesetzgeber auf, Gesetze zu machen, die den Schutz von Anlegern gewährleisten und alternative Finanzierungsmodelle ermöglichen. "Die Nachrangigkeit kann nicht die Lösung sein", so Fercher.

"Wir brauchen eine Demokratisierung der Veranlagung", forderte Oliver Gajda vom Europäischen Crowdfunding Network. Das Monopol der Banken müsse aufgebrochen werden. Es gebe europaweit rund 8 Millionen KMU, die Geld bräuchten, aber nicht wüssten, woher sie es nehmen sollen. Für diese Unternehmen würden sich die Aufsichtsbehörden nicht interessieren. Seiner Meinung nach muss der Industriezweig der Crowdfinanzierung weiter ausgeweitet werden. Bürgerfinanzierungsmodelle sollten etwa auch für Konsumkredite zur Verfügung stehen können.

(APA)

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