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Intelligent heißt noch nicht sparsam

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Das Smart Home, das den Energieverbrauch automatisch reguliert und dadurch senkt, ist noch Zukunftsmusik. Derzeit bedeuten mehr elektronische Geräte noch mehr Verbrauch.

Wien. Ein bis zwei Fernseher. Ein Stand-PC. Ein Tablet. Ein Notebook. Ein E-Reader. Zwei bis drei Smartphones. In einem durchschnittlichen österreichischen Haushalt des Jahres 2014 dürfte es zwei- bis dreimal so viele Bildschirmgeräte geben wie Menschen. Und diese Geräte sind in der Regel auch per Funknetzwerk (WLAN) ständig mit dem Internet verknüpft. Es ist also viel elektronische „Intelligenz“, die in die heimischen Wohnzimmer Einzug gehalten hat. Für den Stromverbrauch bedeutete diese Entwicklung bisher eines: eine klare Zunahme.

„Das Smart Home, durch das der Energieverbrauch auch sinken soll, ist noch Zukunftsmusik. Und die Effizienzmaßnahmen bei der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik werden und wurden durch eine ständige Zunahme der Geräte bisher wettgemacht“, sagt Peter Traupmann, Geschäftsführer der österreichischen Energieagentur. „Bei den klassischen Haushaltsgeräten sinkt der Verbrauch inzwischen, bei der Kommunikationstechnologie bleibt er zumindest gleich. Dadurch wird der Anteil Letzterer am gesamten Verbrauch steigen.“

Knapp 4200 Kilowattstunden verbrauchte ein heimischer Haushalt laut Statistik Austria im Jahr 2012 im Durchschnitt. Die größten Einzelverbraucher sind dabei der elektrische Warmwasserboiler (576kWh), der Kühl- und Gefrierschrank (483 kWh) sowie der Herd und das Backrohr mit 391 kWh. Fernseher, Computer und Smartphones machen sich einzeln gerechnet dagegen klein aus, in Summe verbraucht ein Haushalt aber 419 Kilowattstunden pro Jahr für elektronische Geräte. Und hier ist eben auch für die Zukunft kein Sinken des Verbrauchs zu erwarten.

Der Grund dafür ist nicht zuletzt ein fehlendes Gefühl für den Verbrauch von elektronischen Geräten. „Die Kosten des Stromverbrauchs der Elektronik betragen bei einem durchschnittlichen Haushalt vielleicht 80 bis 100 Euro pro Jahr.“ Eine Summe, bei der sich viele Menschen keine Gedanken über mögliche Einsparungen von 15 bis 20 Prozent machen.

Daran werde auch die bevorstehende Einführung von Smart Metern (intelligenten Stromzählern, die ihre Daten unmittelbar an die Netzbetreiber und somit auch an die Verbraucher melden) nicht viel ändern, ist sich der Energieexperte sicher. „Bei gezielter Aufklärung und Betreuung der einzelnen Haushalte können laut Erfahrungen bei Pilotprojekten vier bis fünf Prozent eingespart werden. Ohne diese Begleitmaßnahmen bringen Smart Meter aber nur einen Effizienzgewinn von rund einem Prozent.“

Für das Energiesystem ist diese Entwicklung von großer Bedeutung. Derzeit entfällt zwar nur etwa ein Drittel des gesamten Stromverbrauchs auf die privaten Haushalte. Deren Verbrauch hat sich jedoch zwischen 1985 und 2010 verdoppelt, während er etwa in der Industrie nur um 40 Prozent gestiegen ist. Und auch gegenüber anderen Energieträgern wie Öl oder Gas ist Elektrizität aufgrund neuer Technologien (Wärmepumpen, Elektroautos) auf dem Vormarsch.

 

Vier Kraftwerke für TV & Co.

Besonders drastisch zeigt sich das am Verbrauch der Unterhaltungs- und Kommunikationstechnologie. Dieser wird sich bis zum Jahr 2020 laut einer Studie der Energieagentur von derzeit 0,7 Terawattstunden auf bis zu 4,2 TWh erhöhen. Das entspricht der vierfachen Jahresproduktion des Donaukraftwerkes Freudenau.

Doch es ist nicht nur der zunehmende Verbrauch, der zum Problem werden kann. „Für das System sind intelligente Geräte eine zusätzliche Herausforderung. Denn diese fahren häufig zu gewissen Zeiten nahezu gleichzeitig hinauf und herunter, verstärken so die Volatilität im Netz“, so Traupmann. Dies könne zu vergleichbaren Situation wie in den Handynetzen führen, bei denen etwa zu Weihnachten oft keine SMS mehr versendet werden können.

Auf die moderne Technologie zu verzichten sei aber natürlich keine Lösung. Vielmehr bedürfe es verpflichtender Effizienzkriterien für die Hersteller, wie es sie bei Großgeräten schon seit Jahren gibt. Und auch die Nutzer sollten sich darüber bewusster werden. Dass etwa Energie unnütz verschwendet wird, wenn Computer ununterbrochen laufen, auch wenn sie nur gelegentlich verwendet werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2014)