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EU leidet unter teurem Strom und Gas

Gasherd
Gasherd(c) wodicka@aon.at
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Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass der gewaltige Preisunterschied im Vergleich zu den USA noch mindestens 20 Jahre bestehen bleibt. Umweltauflagen der EU sind dafür allerdings nicht verantwortlich.

Brüssel. Dass Strom und Gas in Europa teurer sind als anderswo, zählt zu den energiepolitischen Gemeinplätzen. Dass dieser Zustand noch mindestens zwei Jahrzehnte andauern dürfte, ist hingegen neu – doch genau zu diesem Schluss kommt die Internationale Energieagentur IEA.

In den kommenden 20 Jahren droht der EU ein Rückgang der energieintensiven Exporte (etwa in der Stahl- und Chemiebranche) um ein Drittel, warnte Fatih Birol, Chefvolkswirt der IEA, in einem Interview mit der „Financial Times“. Insgesamt 30 Millionen europäischer Arbeitnehmer müssten in der Folge mit negativen Konsequenzen rechnen. „Es ist ein strukturelles Problem“, lautet Birols Fazit.

Das genaue Ausmaß dieses Problems bezifferte die EU-Kommission Mitte Jänner: Nach Kalkulationen der Brüsseler Behörde müssen EU-Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz in den USA zweimal so viel für Strom bezahlen, gegenüber China beläuft sich der momentane Preisaufschlag auf 20 Prozent. Was Erdgas anbelangt, liegen die durchschnittlichen EU-Industriepreise gar 300 bis 400 Prozent über dem US-Niveau.

 

Standortvorteil Nordamerika

Wer die umweltpolitischen Auflagen der EU für den gewaltigen Preisunterschied verantwortlich macht, liegt allerdings falsch. Der Kampf gegen die Erderwärmung – Stichwort CO2-Zertifikate – wirkt sich laut IEA nur unwesentlich auf das Preisniveau aus, Preistreiber Nummer eins seien teure Energieträger, die nach Europa importiert werden müssen. Während die Förderung von Schieferöl und -gas in den USA einen regelrechten Boom entfacht hat, hinkt die EU wegen Umweltauflagen auf der einen und geografischen Gegebenheiten auf der anderen Seite hinterher – zwar setzen sich unter anderem Großbritannien und Polen für Fracking ein, doch schon allein aufgrund der höheren Bevölkerungsdichte ist Förderung in einem ähnlichen Umfang wie in Nordamerika schwer vorstellbar. Zweiter Grund für teures Gas in Europa: Langzeitverträge mit dem Hauptlieferanten Russland, die an den (höheren) Ölpreis gekoppelt sind. (la)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2014)