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Der Familienbetrieb Ökostrom

Lukas Püspök
Lukas Püspök(c) Clemens Fabry
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Ein Familienbetrieb aus dem Burgenland bricht die Phalanx der früheren Staatsbetriebe und wird zweitgrößter Windkraftbetreiber des Landes. Schwer ist der Kampf um die Gunst der Gemeinden.

Wien. Die Liste der größten heimischen Ökostrombetreiber liest sich wie das Who's who der früheren Staatskolosse. Vor allem im Kampf um Windkraftförderungen lassen die Landesenergieversorger EVN und Energie Burgenland nicht viel anbrennen. Doch auch ihre Macht ist nicht unbeschränkt. Just ein Familienbetrieb aus dem Burgenland hat es geschafft, die Phalanx aufzubrechen. Gemessen an der installierten Leistung ist die Familie Püspök heute der zweitgrößte Windkraftbetreiber des Landes.

Die Chronologie eines ungewöhnlichen Erfolgs.

Am Anfang der Geschichte steht ein Gasthaus im burgenländischen Frauenkirchen. Drei Jahrzehnte floriert das Alte Brauhaus unter der Führung von Paul Püspök. Doch dem passionierten Jäger reicht das nicht. Gemeinsam mit einem Partner aus Deutschland sucht er ab 1996 nach Wegen, seine Leidenschaft für Natur und seinen Geschäftssinn zu verbinden. Fünf Jahre später ist es so weit. Paul Püspök wird zum Ökostrompionier und errichtet 2001 die ersten privaten Windräder im burgenländischen Mönchhofen. Bei der Finanzierung hilft Bruder Peter Püspök, der frühere General der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich und Wien. Von den üppigen Förderungen, die heute fließen, konnte der Gründer Paul aber nur träumen.

„Finanziell bereitet uns der erste Windpark keine große Freude mehr“, sagt sein Neffe Lukas Püspök, der seit dreieinhalb Jahren das Geschäft übernommen hat. Wichtig war der erste Schritt dennoch: Denn erstmals hatte auch ein Privater im Burgenland seine Spuren in der Branche hinterlassen.

 

Die Gunst der Bürgermeister

„Es ist von Anfang an nicht leicht gewesen neben den Landesversorgern“, erzählt Püspök junior. „Sie sind es gewohnt, monopolistisch zu agieren.“ Vor allem im Kampf um die besten Standorte und um die Gunst der Gemeinden hätten Private dabei oft das Nachsehen. „Ein Bürgermeister hat eben eine gewisse Couleur und die Landesgesellschaft hat auch eine gewisse Couleur. Mitten in all diesen gewachsenen Beziehungen zwischen Gemeinden und Landesenergieversorgern ist es ziemlich schwer, auch eine Rolle zu spielen.“

Dass es dennoch gelingt, ist vor allem Firmengründer Paul Püspök zu verdanken. Er hat sich als Wirt im gesamten Seewinkel einen guten Namen gemacht. Viele Grundeigentümer und Gemeinden im Umkreis geben lieber dem Wirt das begehrte Grundstück, statt auf politische Farbenspiele zu achten.

Genutzt hat ihm der Vertrauensvorschuss auch ab 2009, als die Ökostromgesetznovelle eine neue Ausbauwelle ausgelöst hat. Püspök zog zig Projekte an sich und betreibt heute 79 Windkraftanlagen mit 212 Megawatt Leistung. Sie erzeugen mehr Strom, als alle Burgenländer verbrauchen. Anders als in Niederösterreich muss sich die Firma im Burgenland auch nicht mit so vielen Ökostromgegnern herumschlagen. „Keiner will den Eingriff in die Landschaft, man kann ihn nicht wegdiskutieren. Trotzdem ist die Zustimmung extrem groß“, sagt Lukas Püspök. Das sei der Landesregierung zu verdanken, die früh auf Windkraft gesetzt und eigene Zonen festgelegt hat. „Letztlich ziehen hier alle an einem Strang.“

 

„Die Branche wird erwachsen“

Wie viel Umsatz oder Gewinn der Betrieb mit dem geförderten Windradbau macht, verrät der 34-Jährige nicht. Kritik an hohen Subventionen weist er zurück. Auch Öl, Gas und AKW würden gefördert. Nur eben unauffälliger. „Natürlich sind die Einspeisetarife super. Aber auch die Branche wird erwachsen und irgendwann ohne offensichtliche Förderung auskommen.“

Geld allein treibe ihn nicht, sagt der WU-Absolvent: „Mir ist die Energiewende eine Herzensangelegenheit.“ Illusionen erlaubt sich Lukas Püspök keine. „Ich glaube nicht, dass wir aus dem Burgenland heraus die Welt verändern können. Aber wir können ein Vorbild sein.“

Windenergie im Burgenland: Seite 6

Auf einen Blick

Windkraft findet in Österreich fast nur im Osten des Landes statt. Niederösterreich liegt mit 454 Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 796,7 Megawatt knapp vor dem Burgenland mit 337 Anlagen und 770,4 Megawatt Leistung. Die übrigen Bundesländer haben kaum Windparks.

Über ein Drittel des geförderten Ökostroms stammt aus der Windkraft. 2012 erzeugten Windräder 4,3 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. In Summe erhielten Ökostrombetreiber 2012 ein Vergütungsvolumen (Einspeisetarife und Marktpreis) von 657 Mio. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2014)