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Mein persönliches Energietagebuch

Leuchtende Gluehbirne
Leuchtende Gluehbirne(c) www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
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Wie viel Energie verbraucht jede Einzelne? Ein Tagesablauf in Kilowattstunden.

Wir brauchen Energie, viel Energie. Und wir sollten besser sparsam damit umgehen. Das wissen wir. Wenn es aber darum geht, wie viel Energie wir genau brauchen, jeder Einzelne, dann wird es schwierig. Dennoch: ein Versuch einer persönlichen Energiebilanz eines ganz normalen Tages in einem 50 Quadratmeter großen Singlehaushalt.

Eines vorweg: Alle befragten Experten stellen zuerst einmal fest: Es ist kompliziert. Und: Man kann nicht nicht Energie verbrauchen.

Energie verbrauchen im Schlaf

Denn um Energie zu verbrauchen, muss ich nicht einmal aufstehen. Die Heizung (Fernwärme) ist eingeschaltet, wenn auch auf niedriger Stufe, der Kühlschrank ebenso in Betrieb wie das Gefrierfach, und die Wäsche, die auf dem Wäscheständer hängt, habe ich zwar in der Gemeinschaftswaschmaschine im Keller gewaschen, aber auch das braucht Energie. Um meine vor drei Jahren sanierte Wohnung zu heizen, brauche ich im Winter pro Tag rund 23kWh. Auf diesen Wert kommt Nora Herbst von der Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft in Zürich. Willibald Kohlweg vom Energieanbieter Kelag berechnet zehn kWh pro Tag (er nimmt den Durchschnitt eines Jahres). „Ich gehe von gutem Dämmstandard aus. Würden Sie in einem Passsivhaus oder Niedrigenergiehaus wohnen, halbiert sich der Wert“, sagt er. Kohlweg weiß auch, dass Heizung und Mobilität 80 Prozent unseres Energieverbrauchs ausmachen.

Mittlerweile hat der Handywecker geläutet. Berechnen lässt sich das nur schwer. Ein Energiemessgerät sagt mir, dass das Laden des Handys 2,5 Watt braucht, also 0,0025 Kilowattstunden (kWh). „Ich nehme an, dass bei allen elektrischen Artikeln die graue Energie wesentlich höher ist als der Energieverbrauch bei der Lebensdauer des Gerätes“, sagt Kohlweg. Unter graue Energie fällt alles, was zur Herstellung des Produktes verbraucht wird.

Danach wird der Teekocher (2000W) eingeschaltet. Dieser ist sparsamer als die Herdplatte. Um einen halben Liter Wasser zu erhitzen, braucht er zwei Minuten und 0,07kWh. Würde ich einen Topf ohne Deckel – ganz böse – auf den Herd (1500W) stellen, brauchte das 0,18kWh. Alexandra Bauer von der Umweltberatung rechnet mir sogar die Kosten aus (20 Cent pro kWh): Der Wasserkocher kommt auf einen Cent, die Herdvariante auf vier. Gegessen wird Porridge, der – weil ich dazwischen dusche – zehn Minuten auf dem Herd leicht köchelt. Laut Bauer kostet das 0,13kWh. Sie ist genau: Die Angabe versteht sich ohne Energie, die bei der Herstellung der Frühstücksflocken anfällt.

Ab ins Badezimmer: Drei Minuten Duschen verbraucht 0,75kWh. Auch das ist nur ein Richtwert: Hätte ich eine Sparbrause, wäre er geringer. Wasser verbrauche ich übrigens 30 bis 40 Liter. Würde ich ein Bad nehmen, wären es 120 Liter.

Jetzt kommt die schwierigste Frage, die Toilettenspülung: Viel Energie dürfte ich dafür – im Gegensatz zum Wasser (40 Liter pro Tag) – nicht brauchen. Berechnen lässt sich das kaum. „Energie brauchen die Wasseraufbereitung, die Pumpen, die Herstellung der Toiletten, der Transport der Toilette, der Klempner etc. Es ist also nicht ganz einfach, all diese Aspekte der Toilettenspülung zuzuordnen“, sagt Nora Herbst.

Ab ins Büro. Dafür nutze ich die öffentlichen Verkehrsmittel, genau genommen gehe ich zu Fuß, fahre 2,3km mit der Straßenbahn und 3km mit der U-Bahn. In Summe dauert das knapp 45 Minuten. Würde ich mit dem Auto fahren, brauchte ich 30 Minuten. „Wenn Sie eine halbe Stunde mit einem normalen kleinen Mittelklasseauto fahren, brauchen Sie 9kWh. Die graue Energie ist aber viel größer“, sagt Kohlweg. Und derselbe Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln? „Das kommt darauf an. Sitzen Sie allein in der Straßenbahn, brauchen Sie viel, viel mehr.“ Das wird nicht passieren, ich fahre mit der gut besuchten Linie 43.

Der VCÖ hat genauere Zahlen: Zehn Kilometer Straßenbahn-Nutzung benötigen 1,2kWh, zehn Kilometer U-Bahn 0,7kWh (nur Betrieb). In meinem Fall also insgesamt 0,486kWh für beide.

 

Auswärts essen spart Energie

Im Büro angekommen – die Energie, die die Produktion der Zeitungen kostet, die ich während der Fahrt lese, lasse ich aus –, geht es weiter mit dem Energieverbrauch. Frau Herbst hat für mich einen Schweizer Richtwert von 6kWh/Tag (Annahme: Platzbedarf von zehn Quadratmetern). Das wird sich in unserem Büro vermutlich nicht ausgehen. Drucke ich eine A4-Seite aus, braucht das rund 0,006kWh.

Zu Mittag esse ich ich einem Bioladen ums Eck. Das ist gut für die Energiebilanz, auch wenn es dort oft Fleisch gibt. „Damit sparen Sie mehr Energie, als wenn Sie zu Hause allein kochen. Nur in einem Haubenlokal brauchen Sie viel mehr Energie“, sagt Kohlweg.

Abends bleibe ich trotzdem daheim. Zwei Stehlampen sind immer in Betrieb: Die eine ist alt und böse (Glühbirne, 100W), die andere neu und gut (Halogen, 35W). Sind beide fünf Stunden lang eingeschaltet, braucht Erstere 0,5kWh, Letztere 0,175kWh. Mangels Fernsehers läuft der Plattenspieler eine Stunde lang: 0,007kWh. Lesen spart Energie, Wiener Wein auch. Trotzdem weiß ich, dass ich auf großem Fuß lebe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2014)