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Märkte haben erst die Hälfte der Korrektur hinter sich

Aktien und Boerse
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Warum die Märkte erst die Hälfte der Korrektur hinter sich haben, aber "googeln" auch in dieser Lage keine schlechte Idee ist.

Ein paar Tage lang hatte es so ausgesehen, als würde die Korrektur schwächer ausfallen und als würden die Märkte früher umkehren als erwartet. Wer sich davon allerdings zu Engagements hat verleiten lassen, leckt jetzt schon seine Wunden: Der freitägige Einbruch vor allem auf dem deutschen Markt hat gezeigt, dass die Korrektur wohl die volle Länge laufen wird. Das heißt, dass wir uns auf Indexstände einstellen müssen, die fünf bis zehn Prozent unter den Höchstständen von Anfang Jänner liegen.

Wie weit sind wir da schon? Freitagnachmittag lagen die amerikanischen Indizes rund vier Prozent unter den Anfang Jänner erreichten Rekordständen, der deutsche DAX hatte bis dahin rund sechs Prozent verloren. Stimmen die Expertenprognosen, dann haben die Märkte jetzt also annähernd die Hälfte ihres Korrekturpotenzials abgearbeitet. Allerdings: Rollt die Lawine erst einmal, dann lässt sich ziemlich schwer abschätzen, wo sie zum Stehen kommen wird.

Wie es derzeit aussieht, eher weiter unten: Die Nachrichten von der Wirtschaftsfront klingen nämlich keineswegs so rosig wie die jüngsten Prognosen der Wirtschaftsforscher. Am Freitag beispielsweise hat eine Eurostat-Aussendung die europäischen Börsen niedergedrückt: Im Jänner, haben die Brüsseler Statistiker errechnet, ist die Inflation in der Eurozone auf 0,7 Prozent zurückgegangen. Ein Anzeichen dafür, dass die nicht nur von Börsianern gefürchtete Deflation mehr ist als nur ein von Skeptikern an die Wand gemaltes Gespenst.

Dazu passt die ebenfalls am Freitag bekannt gewordene Endabrechnung des Weihnachtsgeschäfts im deutschen Handel. Das ist nicht, wie prognostiziert, real um 1,9 Prozent gewachsen, sondern um mehr als zwei Prozent geschrumpft. Die Hoffnung, dass die europäischen Konsumenten dafür sorgen werden, den feststeckenden Konjunkturkarren flottzumachen, ist also wohl reines Wunschdenken.

Als wäre das noch nicht genug, eskaliert auch noch die Lage in wichtigen Schwellenländern wie Argentinien oder der Türkei. Die Befürchtung, dass sich die Asien-Krise der Neunzigerjahre mit all ihren negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Börsen jetzt in anderen Ländern wiederholen könnte, schwebt im Raum.

Diese Situation ist zwar ein Paradies für Leute, die Spekulation auf fallende Kurse und Swingtrading beherrschen, mittelfristig orientierte Anleger machen jetzt aber am besten Pause und warten, wo die Kurse ihren Boden finden.

Charttechnisch ist der deutsche Leitindex DAX, der naturgemäß auch das Kursniveau in Österreich stark mitbeeinflusst, an einem interessanten Punkt angelangt: Knapp unter 9200, also dort, wo der Index am Freitagnachmittag herumgrundelte, liegt eine Widerstandszone, die bisher gehalten hat. Rauscht der Index in den nächsten Tagen hier nach unten durch, dann werden wir wohl DAX-Stände unter 9000 sehen.

Natürlich gibt es auch Einzeltitel, die sich selbst in dieser trüben Börsenstimmung gut halten. Jetzt sind also talentierte Stock-Picker gefragt. Fündig werden könnten sie etwa beim Suchmaschinenriesen Google (ISIN US38259P5089). Der hat ein passables Quartalsergebnis vorgelegt und ist mit dem angekündigten Verkauf des Handyherstellers Motorola an den chinesischen Computerkonzern Lenovo einen ordentlichen Klotz am Bein losgeworden. Die Aktie ist in den vergangenen Tagen gegen den Trend schön gestiegen, 20 Prozent Kurspotenzial müssten mittelfristig schon drin sein.

Eine Kursexplosion hat zuletzt auch der amerikanische Computerspielehersteller Zynga (ISIN US98986T1088) erlebt. Ausschlaggebend waren ein besseres Quartalsergebnis als erwartet, ein scharfes Kostensenkungsprogramm und der angekündigte Kauf des Spieleherstellers NaturalMotion, der den auf dem Markt unter Druck geratenen „Farmville“-Produzenten wieder auf die Beine helfen soll. Das Ganze ist allerdings eine riskante Spekulation, denn den Umschwung auf dem Markt muss Zynga erst schaffen.

Eine starke Kaufempfehlung mit einem um 30 Prozent über der aktuellen Notierung liegenden Kursziel hat der heimische Baukonzern Porr (ISIN AT0000609607) erhalten. Das Papier notiert derzeit sehr weit unter seinem „fairen Wert“. Die Sache hat freilich einen Schönheitsfehler: Porr notiert im illiquiden Wiener Segment Standard Market Auction, von dem sich Kleinanleger eher fernhalten sollten.

josef.urschitz@diepresse.com

diepresse.com/money

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2014)