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Die Rechtschreibung in Zeiten von WhatsApp

Die Rechtschreibung in Zeiten von WhatsApp. Ein heikles Thema für Zeitungen.

 

Diese Ausgabe der „Presse am Sonntag“ ist in gewisser Hinsicht ein Risiko. Denn jede Zeitung, die das Thema Rechtschreibung aufs Cover hebt, macht sich selbst zur leuchtend roten Zielscheibe. Aber das nehmen wir in Kauf, denn erstens sind wir (Selbst-)Kritik gewohnt (schon 1889 beklagte „Die Presse“ den Niedergang der eigenen Zunft) und zweitens hoffe ich, dass das tapfere Lektorinnenteam von MonikaFrömmel besonders genau hinschaut. Sollte doch etwas durchrutschen, verbuchen Sie die Fehler bitte einfach unter Ironie.

Auch die Autorin unserer Titelgeschichte über die Orthografie in Zeiten von SMS und WhatsApp nähert sich dem Thema nicht aus der strengen Zeigefingerperspektive. Eva Male war im Haus lange erste Ansprechpartnerin für heikle Fälle im wörtlichen Sinn. Inzwischen ist die Autorin im Brotberuf Pressesprecherin der Wiener Wirtschafts-Uni, den „Spectrum“-Lesern ist sie weiterhin als „Sprachspalterin“ bekannt. Redaktionsintern gibt es seit ihrem Weggang mehrere neue Gralshüter der Grammatik – darunter Erich Kocina, der sich in dieser Ausgabe mit Büchern über „schöne Sprache“ beschäftigt. Kocina, den wir liebevoll „Sprachpolizist“ nennen (er hat in seiner Lade eine Trillerpfeife), spielte früher in einer Band, die „Kampf den Dativ“ hieß. Ich hingegen kämpfe hier nun mit dem Platz: Nach so vielen Worten übers Wort reicht er nur mehr für eine Leseempfehlung im Stakkato-Stil: Jutta Sommerbauer berichtet aus Kiew, Helmar Dumbs von der Sicherheitskonferenz in München, Köksal Baltaci fasst mit Hans Guggenberger, den Sie vielleicht aus der „Kleinen Zeitung“ kennen, die Situation im dramatisch verschneiten Süden Österreichs zusammen und Gerhard Bitzan prüft Gerüchte über Hitlers geheime Stollen. Zum Schluss noch ein Nicken in Richtung der Wiener und niederösterreichischen Schüler: schöne Ferien. Mit oder ohne Ski. Oder Schi. Oder Skier.

ulrike.weiser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2014)