Neue Fed-Chefin: "Wir geben den Leuten wieder Arbeit"
File photo of Yellen, President Obama's nominee to lead the U.S. Federal Reserve, being sworn in to testify at her U.S. Senate Banking Committee confirmation hearing in WashingtonREUTERS
Janet Yellen übernimmt heute von Ben Bernanke. Trotz Turbulenzen in den Schwellenländern erwarten Analysten vorerst keinen Kurswechsel. Denn Yellen hat mit ihrem Vorgänger schon lange gut zusammengearbeitet.
Am heutigen Montag ist es soweit: Die 67-Jährige Janet Yellen übernimmt von Ben Bernanke das Amt der US-Notenbankchefin und wird damit zu einer der mächtigsten Frauen der Welt. Ihre Worte können die Finanzmärkte weltweit erschüttern. Besonders die Schwellenländer werden vor ihren Entscheidungen zittern. Wer einen Kurswechsel erwartet, wird Experten zufolge enttäuscht. Denn unter der Führung von Yellen wird Fed nach Einschätzung der Bank-Analysten ihre expansive Geldpolitik ihres Vorgängers beibehalten und - genauso wie er - die Geldflut langsam bremsen.
Sie führen Unternehmen, formen die Wirtschaft und fädeln große Geschäfte ein. Bloomberg wählte 50 Banker, Denker, Unternehmer, Entscheider und Vermögensverwalter, die die weltweiten Märkte und Geschäfte maßgeblich lenken. Unter ihnen befindet sich auch ein Österreicher. DiePresse.com zeigt Ihnen eine Auswahl von 15 einflussreichen Personen. (c) imago stock&people (imago stock&people)
Großinvestor Carl Icahn wird als Corporate Raider („Unternehmensplünderer“) oder auch als Firmenjäger bezeichnet. Seine Strategien sind selten passiver Natur, eher kauft er ausreichend Anteile einer Firma, um aktiv an der Unternehmenspolitik mitmischen zu können. Icahn hat dell aufgewühlt, Herbalife verteidigtund mit Netflix groß gewonnen. REUTERS
Der gebürtige OberösterreicherPaul Achleitner wechselte 2000 von Goldman Sachs in den Vorstand der Allianz AG. Dort verantwortete er das Ressort Finanzen und Beteiligungen. Mit seiner Berufung zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank im Mai 2012 schied er aus der Allianz aus. Der 56-jährige Achleitner kämpft an vorderster Front gegen Aufseher, die den Handel von Europas größten Banken begrenzen wollen. (c) REUTERS (� Michael Dalder / Reuters)
Lloyd Blankfein ist Vorstandschef bei Goldman Sachs Group Inc. Blankfein ist der Meinung, dass Führungspersonen Risiken meiden und Fusionen und Übernahmen sowie das Wachstum der Konjunktur darunter gelitten hätten. Blankfein war einst die unumstrittene Nummer eins bei Goldman Sachs. Nach einer Serie von Negativschlagzeilen bekam er den Versicherungschef James Schiro als Aufpasser zur Seite gestellt. REUTERS
Jamie Dimon ist Vorstandschef von JPMorgan Chase & Co. Dimon hat den Widerstand von Aktionären überlebt, die seine Doppel-Rolle als Vorstandschef und Chairman in Frage stellten. Er steigerte den Gewinn im zweiten Quartal 2013 um 31 Prozent. Aber viele Affären kratzen am Image der einstigen Vorzeigebank. In den vergangenen zwei Jahren musste Dimon jeweils fünf Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten aufbringen. imago stock&people
Der Italiener Mario Draghi war von 2006 bis 2011 Präsident der Italienischen Nationalbank. Heute ist er Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Draghi, der ehemalige Vizepräsident von Goldman Sachs International, gilt als "Der deutsche Italiener". Dem Römer ist ein leichtfertiger Umgang der Politik mit dem Geld zuwider. REUTERS
Die Fed-Chefin Janet Yellen habe seit 2009 im Vergleich zu ihren Kollegen die künftige Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft am korrektesten vorausgesagt, schriebt das „Wall Street Journal“. Mit Yellen hat die mächtigste Notenbank der Welt erstmals eine Chefin. REUTERS
Großinvestor Waren Buffett ist mit einem geschätzten Vermögen von 53,5 Milliarden Dollar unter den fünf reichsten Menschen der Welt. Nahezu sein gesamtes Vermögen ist in dem von ihm aufgebauten Investment-Unternehmen Berkshire Hathaway angelegt, dessen größter Aktionär das "Orakel von Omaha", wie er auch genannt wird, ist. Zu seinem 82. Geburtstag schenkte er seinen drei erwachsenen Kindern Aktienpakete im Wert von gut zwei Milliarden Dollar. Reuters
Mit Marissa Mayerübernahm eine ehemalige Google-Managerin das Ruder bei Yahoo. Mayer, die anfangs in der Kritik stand, weil sie den Job hochschwanger angetreten hat, verordnete dem Internet-Pionier eine Frischzellenkur sowie ein hartes Sparprogramm. Die Firmenchefin schränkte bei ihrem Notumbau die weit verbreitete Arbeit von Zuhause (Home-Office) ein. REUTERS
1994 gründete Jeff Bezos den Handelsriesen Amazon. Mit einem erwarteteten Jahresumsatz von 74 Milliarden US-Dollar dominiert er den Einzelhandel weltweit. Sein Führungsstil gilt als eigenwillig. Man erzählt, er lasse in Besprechungen oft einen Stuhl frei - für den imaginären Kunden. Ins Tagesgeschäft der "Washington Post", die er kürzlich für 250 Millionen Dollar erwarb, will sich der Milliardär aber nicht einmischen. REUTERS
Der bekannte Ökonom und New-York-Times-Kolumnist Paul Krugman gilt als Befürworter einer lockeren Geldpolitik. Die Federal Reserve soll bei ihrer Geldpolitik nicht auf die Inflation achten, sondern lediglich auf die Erholung der Wirtschaft und eine Senkung der Arbeitslosenquote. 2008 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis insbesondere für seine „Analyse von Handelsstrukturen und Standorten ökonomischer Aktivität“. EPA
Die Nummer zwei bei Facebook, Sheryl Sandberg, sitzt als erste Frau auch im wichtigen Verwaltungsrat. Die fürs Tagesgeschäft zuständige Managerin und rechte Hand von Firmenchef Mark Zuckerberg hat mit dem Einzug ins höchste Firmengremium ihren Einfluss wesentlich erhöht. Sheryl Sandberg gehört nach Forbes auch zu den zehn mächtigsten Frauen der Welt. REUTERS
US-ÖkonomDan Ariely (44) ist Psychologe und Betriebswirt. E-Mails beendet der Professor an der Duke University mit den Worten „Irrationally yours“ – und verrät damit sein akademisches Lebensthema: Warum handeln Menschen so oft irrational? Arielys Buch „Die halbe Wahrheit ist die beste Lüge“ wurde ein Besteller. (c) REUTERS (� Eduardo Munoz / Reuters)
Blackrock-CEO Larry Fink managt mit 3900 Mrd. Dollar den weltweit größten Vermögensverwalter - der nächste Wettbewerber ist nicht einmal halb so groß. Blackrock, 1988 von Fink gegründet, hatte früh ein System zur Risikoanalyse entwickelt. Die Finanz- und Schuldenkrise verhalf dem Unternehmen zu seinem heutigen Erfolg. (c) Reuters (� Jason Reed / Reuters)
UBS-CEO Sergio Ermotti musste 2010 die UniCredit verlassen, nachdem er in fünf Jahren zwar zum zweiten Mann im Konzern aufgerückt war, aber im Machtkampf um die Profumo-Nachfolge unterlag. Der Financier Tito Tettamanti bezeichnet ihn, der mit seiner UniCredit-Abfertigung eine gemeinnützige Stiftung ins Leben rief, als „Kapitalist mit dem Herzen am rechten Fleck“. 2011 folgte der Tessiner Ermotti folgt dem über Milliardenverluste in London gestolpertem UBS-Chef Grübel bei der Schweizer Großbank nach. (c) REUTERS (� Michael Buholzer / Reuters)
Wer den größten Einfluss auf die Märkte hat
Die begonnene Drosselung der Notenpresse sei "ein Zeichen für das Vertrauen in die amerikanische Konjunktur", sagte der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Anshu Jain, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Wochenende. "Wir erwarten im ersten Quartal 2015 ein Ende der sehr lockeren Geldpolitik. Dann dürften die Zinsen wieder deutlich anziehen, vor allem im fünf- und zehnjährigen Bereich."
Gute Zusammenarbeit mit Bernanke
Bernankes Nachfolgerin war bisher seine Stellvertreterin. ernanke ist eine "Taube", Yellen ist eine "Taube". Das heißt: Sie riskieren lieber Inflation als steigende Arbeitslosigkeit, halten die Zinsen niedrig und drucken im Zweifelsfall einfach mehr Geld.
"Es wird keine Überraschungen für die Märkte geben", sagte Commerzbank-USA-Experte Christoph Balz der dpa in Frankfurt. Yellen sei schon seit Jahren an prominenter Stelle für die Zentralbank tätig und habe mit ihrem Vorgänger gut zusammengearbeitet. Er rechne damit, dass die US-Notenbank ihre monatlichen Käufe von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren weiter schrittweise reduziert - trotz der Turbulenzen in den Schwellenländern. Investoren hatten das Notenbankgeld zum Großteil auch dazu genutzt, das Kapital in vielversprechenden Schwellenländern anzulegen. Mit der Reduzierung der Anleihekäufe setzte dort zuletzt eine Kapitalflucht ein, mehrere Landeswährungen etwa in der Türkei oder Brasilien gerieten unter Druck.
"Wir glauben, das die Fed sich von den Schwellenländern nicht beeinflussen lässt", sagte Balz. "Außer es kommt zu wirklich großen Marktverwerfungen, die auch die Finanzmärkte in den USA erschüttern." Jain betonte, die Entwicklung in den aufstrebenden Ländern sei keine Überraschung. "Auch in der Vergangenheit ist es regelmäßig zu Reaktionen an den dortigen Finanzmärkten gekommen, wenn die amerikanische Geldpolitik gestrafft wurde. Das passiert nun wieder." Gerade asiatische Länder würden heute aber über höhere Devisenreserven verfügen und seine daher besser gegen eine Krise gewappnet.
Anleihenkäufe reduziert
Die Fed hatte ihre Anleihekäufe in der vergangenen Woche zum zweiten Mal in Folge um zehn Milliarden US-Dollar reduziert. Die Leitzinsen sollen allerdings vorerst praktisch bei null bleiben - ihre Erhöhung ist an eine Verringerung der Arbeitslosigkeit in den USA gekoppelt.
Janet Yellen kam bereits 1977 erstmals zur Fed. Nach einem Ausflug in die akademische Welt holte der damalige Präsident Bill Clinton sie als Notenbankgouverneurin zurück, 1996 machte er sie dann zu seiner Top-Wirtschaftsberaterin im Weißen Haus. 2004 wurde Yellen Präsidentin der Zentralbank in San Francisco, 2010 nominierte Barack Obama sie zur Vize-Chefin der Fed.