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"Zur Zeit" bezeichnet Protest gegen FPÖ-Ball als "Kristallnacht"

(c) Screenshot: Zur Zeit, Seite 57
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Das Magazin des freiheitlichen EU-Abgeordneten Mölzer warnt in seiner aktuellen Ausgabe außerdem vor "Zigeunern".

Erneut sorgt ein NS-Vergleich im Zusammenhang mit den Protesten gegen den von der Wiener FPÖ organisierten Akademikerball für Aufregung. Er findet sich auf der „Satire"-Seite der aktuellen Ausgaben der Wochenzeitung „Zur Zeit". Eine Karikatur zeigt SP-Bundeskanzler Werner Faymann und VP-Vizekanzler Michael Spindelegger, die sich hinter einem Vorhang verstecken. Davor werden Proteste angedeutet. Darunter steht: „Unseren Hass könnt ihr haben." Bei dem Spruch handelt es sich um den Slogan eines Protestzuges gegen den Akademikerball, organisiert von „NoWKR". Am unteren Rand der Karikatur findet sich der Schriftzug: „Kristallnacht 2014".

"Zur Zeit"-Herausgeber Andreas Mölzer, FP-Spitzenkandidat für die EU-Wahl, verteidigt den Cartoon: Erstens handle es sich dabei um "Satire", zweitens nehme man damit Bezug auf "Linksfaschisten, die entsprechende Zerstörung anrichten", wie etwa das Einschlagen von Schaufenstern in der Wiener Innenstadt. Er sieht im Zusammenhang mit möglicher Kritik an dem Vergleich "Heuchler unterwegs".

Es ist nicht das erste Mal, dass FPÖ-Politiker derartige Vergleiche ziehen. „Das war wie die Reichskristallnacht", soll Parteichef Heinz-Christian Strache vor zwei Jahren auf dem Ball gesagt haben. Und: „Wir sind die neuen Juden." Vergangene Woche erklärte der Wiener Abgeordnete Wolfgang Jung: „Ersetzen Sie das Wort Jude durch Nazi, dann haben Sie genau die Parolen, die Ihre Anhänger gebrüllt haben."

„Die Zigeuner kommen"

Am Titelblatt warnt die aktuelle Ausgabe von "Zur Zeit": „Die Zigeuner kommen". In dem dazugehörigen Bericht werden Roma und Sinti als „dem Europäer fremde Kultur" bezeichnet.

Schon in früheren Ausgaben fanden sich ähnlich provokative Berichte. So wurden beispielsweise die Wiener Grünen-Politikerinnen Maria Vassilakou und Barbara Neuroth an ihrem "genetisch vorbestimmten Arbeitsplatz" - der Küche - abgebildet.

SPÖ: "Nächster FPÖ-Skandal"

Als "nächsten Skandal in der FPÖ" bezeichnet die SPÖ-Abgeordnete Petra Bayr den "Kristallnacht"-Cartoon. Es handle sich um einen "unerträglichen und abstoßenden Vergleich, der deutlich macht, wes Geistes Kind die FPÖ ist". Sie forderte, dass mit der "Täter-Opfer-Umkehr aufseiten der FPÖ endlich Schluss sein muss", statt dessen wären klärende Worte Straches fällig.

Novemberpogrome

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 verwüsteten Nationalsozialisten Geschäfte, Synagogen und Wohnhäuser von Juden im Deutschen Reich. Rund 400 Juden wurden dabei ermordet oder in den Selbstmord getrieben, an die 30.000 in Konzentrationslager gebracht. Die Novemberpogrome wurden in NS-Kreisen „Reichskristallnacht" genannt.

>> Aktuelle Ausgabe der „Zur Zeit"

(Red.)