S
o richtig aufregen kann man sich über Peter Sin ger nicht mehr. Dafür kennt man seine an sich provokanten Argumente bereits zu lange: Ein Säugling wäre weniger Person als ein Schimpanse. Einem behinderten Baby die Beatmung abzudrehen wäre genauso eine Entscheidung über Leben und Tod wie die, ihm eine tödliche Injektion zu verabreichen. Für die meisten Leute ist Letzteres Mord. Für den australischen Philosophen, der an der US-Universität Princeton lehrt, nicht. Dass konservative US-Lebensschützer ihn mit Hitler vergleichen, verwundert nicht. Dass die "Kreuz & quer"-Doku sich der Person Singer differenzierter nähert, auch nicht. Man erfährt, dass der umstrittene Denker eine Alzheimer-kranke Mutter hatte und dass er zwanzig Prozent seines Einkommens für Arme spendet.
Das Argument eines Euthanasie-Gegners ist freilich auch ganz nicht von der Hand zu weisen: Wenn Intellektuelle nachdenken, ist das eine Sache. Wenn ihr Denken Konsequenzen für reale Menschen hat, eine andere. Und das stellt den Zuschauer dann doch vor die Frage: Hat man sich schon zu sehr an Singers Ideen gewöhnt? Soll man sich wieder aufregen darüber? Eines macht die Doku jedenfalls klar: Singers Ideen rufen mehr Widerspruch als Zustimmung hervor. Und bringen mehr Leute dazu, sich mit Ethik auseinander zu setzen, als jede ausgewogene Debatte.