Tech-Giganten verpetzen die NSA

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USA FACEBOOK HEADQUARTERS(c) EPA (JOHN G. MABANGLO)
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Facebook, Google & Co. verraten erstmals, was sie den US-Geheimdiensten preisgeben müssen. Wirklich aufschlussreich sind die „Transparenzberichte“ aber nicht.

Wien. Seit Ausbruch des Spionageskandals rund um die NSA kämpfen Amerikas Internetkonzerne darum, der Öffentlichkeit verraten zu dürfen, was sie den Geheimdiensten über ihre Nutzer verraten müssen. Anfang der Woche war es so weit: Nachdem die IT-Giganten in der Vorwoche eine Einigung mit der Regierung Obama erzielen konnten, legten Google, Microsoft, Facebook, Yahoo und LinkedIn ihre ersten „Transparenzberichte“ über die unfreiwillige Zusammenarbeit mit der NSA vor. Viel mehr als ein paar freundliche Schlagzeilen über die stärkere Transparenz bei Internetfirmen geben die Ergebnisse allerdings nicht her. Dafür sorgte schon der Deal der Branche mit der US-Regierung.

Zahl der Anfragen steigt rasant

So dürfen die Internetkonzerne zwar – mit einem halben Jahr Verspätung – bekannt geben, über wie viele ihrer Nutzer der Geheimdienst Daten wollte, nicht aber, welche Daten. Waren es „nur“ Name, Adresse und Telefonnummer oder aber die gesammelten E-Mail-Konversationen der letzten Monate?

Selbst die Auskunft über die Zahl der Anfragen fällt eher unkonkret aus, da die Konzerne nur in Tausenderschritten berichten dürfen. Entsprechend oft findet sich in den Detailbereichen der „Transparenzberichte“ auch das nichtssagende Ergebnis 0–999. Die derart „informierte“ Öffentlichkeit muss nun weiter darüber rätseln, ob die US-Geheimdienste in diesem Fall eine, keine oder 999 Anfragen gestellt haben.

Etwas aufschlussreicher sind die Gesamtzahlen. Demnach haben sich die US-Behörden im ersten Halbjahr 2013 am stärksten für Yahoo-Nutzer interessiert. 30.000 bis 30.999 Yahoo-Nutzer wurden in diesem Zeitraum überprüft. Bei Google waren es in diesem Zeitraum 9000 bis 9999 Nutzer und bei Facebook 5000 bis 5999 Nutzer. Interessant ist die rasante Entwicklung. Nur ein Jahr zuvor gaben sich die Geheimdienste etwa bei Google mit zwei Dritteln weniger Anfragen zufrieden. In einer ersten Aussendung sprachen sich alle fünf Unternehmen dafür aus, künftig mehr sagen zu dürfen.

Kampf um Glaubwürdigkeit

Darüber, wie viele sensible Daten NSA und Co. den großen Tech-Giganten ohne deren Wissen entlocken, wird wohl ohnedies nie ein „Transparenzbericht“ erscheinen. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge haben die US-Geheimdienste einen Weg gefunden, die Datenströme der Internetgrößen direkt aus den Glasfaserkabeln abzulesen. Bestätigt wurde das nie. Microsoft, Yahoo und Google haben die Verschlüsselung in ihrer Kommunikation verschärft.

Für die Konzerne ist die Causa sehr ernst. Sie leben teils von den Daten ihrer Nutzer und müssen um deren Vertrauen kämpfen. Auch wenn Facebook-Gründer Mark Zuckerberg noch so oft das Ende der Privatsphäre propagiert, nicht alle seine Kunden sehen das so locker.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2014)

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