Fett wegtrainieren oder wegschlottern?

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Körperliche Aktivitäten sorgen dafür, dass energiespeicherndes (weißes) Fett in energieverschwendendes (braunes) Fett umgewandelt wird. Eine kühle Umgebung sorgt auch dafür: effektiver.

Fett ist nicht gleich Fett, zumindest wenn es um das im Körper geht. Da gibt es zum einen das weiße Fett, es lagert Energie ein, in 50 Gramm stecken 300 Kilokalorien. Zum anderen gibt es das braune Fett, es verschwendet Energie, setzt sie in Wärme um, 50 Gramm verbrennen 300 Kilokalorien am Tag. Das tun sie vor allem in Tieren, die Winterschlaf halten, und in Menschen, wenn sie ganz klein sind, Babys. Dann haben sie eine große Oberfläche, aber noch keine isolierenden Pakete aus weißem Fett, und auch kaum Muskeln.

Mit denen wärmen wir uns, wenn wir größer sind, wir merken es nicht, weil die Muskelfasern sich ganz unkoordiniert zusammen- und auseinanderziehen. Dabei wird Abwärme frei, nicht viel, die Umwandlung der Energie – von chemischer in mechanische – läuft mit hohem Wirkungsgrad. Gerade umgekehrt ist es beim braunen Fett, dort kommen „uncoupling proteins“ (UCPs) ins Spiel. Sie bringen eine Art Kurzschluss, der die Energie vor allem als thermische verpuffen lässt. Das Ganze spielt sich in den Kraftwerken der Zellen ab, den Mitochondrien, die sind dunkel, im braunen Fett gibt es viele, deshalb heißt es so. Aber mit bloßem Auge ist es nicht zu sehen, und auch die Analysegeräte der Medizin brachten es lange nur bei Babys ans Licht, später verliert es sich, zumindest war man lange davon überzeugt.

Erst vor etwa fünfzehn Jahren bemerkte man, dass auch Erwachsene braunes Fett haben – und dass das aus weißem Fett entstehen kann. Ebenfalls vor 15 Jahren konstatierte die Weltgesundheitsorganisation WHO die um sich greifende „Epidemie der Fettleibigkeit“, zur Jahrtausendwende gab es auf der Erde erstmals mehr übergewichtige Menschen als unterernährte. Das kam natürlich von einem zu hohen Input an Energie – Fast-Food, Softdrinks – und einem zu geringen Output, wir sind endgültig sesshaft geworden.

Wunderwaffe gegen Fettepidemie?

Aber das allein erklärt es nicht, die Verfettung der Körper hängt an vielen Signalen, mit dem der Darm, der deshalb auch „zweites Gehirn“ heißt, dem ersten Gehirn meldet, wie gut er gefüllt ist. Auf die entsprechenden Botenstoffe setzte die Pharmaindustrie große Hoffnungen, sie investierte viel, eine Wunderwaffe gegen die Verfettung fand sich nicht. Könnte das Fett eine werden, wenn es nur gelänge, genug weißes Fett in braunes umzuwandeln? Das geschieht etwa, wenn Muskeln bewegt werden, bei körperlichen Aktivitäten. Das Warum war bisher ein Rätsel: Wenn Muskeln bewegt werden, fällt ohnehin Wärme an, wozu dann noch Zusatzwärme durch das braune Fett? Möglicherweise kommt es vom Erbe, davon, dass die Muskeln die Umwandlung von weißem Fett in braunes von der Körperheizung der Babys gelernt haben. Das vermutet Francesco Celi (NIH, Bethesda), der Testpersonen im Labor hat frieren lassen: Dann wird ein Botenstoff freigesetzt – Irisin –, der für die Umwandlung von weißem Fett in braunes sorgt. Und mit eben diesem Irisin wird das Fett auch bei körperlicher Betätigung umgewandelt (Cell Metabolism, 19, S.302).

Könnte die Menschheit ihr überschüssiges Fett also wegschlottern? Celi setzt darauf, eine Viertelstunde (leichtes) Frösteln bei 19 Grad brachte so viel Irisin wie eine Stunde mit mittlerer Anstrengung auf dem Fahrrad. Er ist nicht der Erste, vor Kurzem hat auch schon Wouter von Marken Lichtenbelt (Maastricht) die Idee propagiert (Trends in Endocrinology and Metabolism, 22.1.): Er empfahl als Idealtemperatur 18 bis 19 Grad.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2014)

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