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Jugendliche Athleten: Kinderspiel auf großer Bühne

Marco Ladner
Marco LadnerGEPA pictures
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Ski-Freestyler Marco Ladner, 15, ist Österreichs jüngster Beitrag. Ayumu Hirano fordert US–Snowboardstar Shaun White, Julia Lipnizkaja greift nach Eiskunstlauf-Gold.

Wien. Die feierliche Eröffnung der Olympischen Spiele in Sotschi heute (16.35 Uhr, live ATV) verfolgt ein österreichischer Rekordhalter zu Hause vor dem Fernseher. Exakt 15 Jahre und 291 Tage zählt Marco Ladner, womit der Ski-Freestyler zum jüngsten männlichen Teilnehmer an Winterspielen der Nachkriegszeit avanciert. Nur Eiskunstläuferin Claudia Kristofics-Binder war 1976 mit 14 Jahren und 122 Tagen noch jünger. Für Ladner beginnt das große Abenteuer in Russland erst am kommenden Dienstag, der Halfpipe-Bewerb steigt dann am 18. Februar.

Der Start in Sotschi bedeutet den nächsten Meilenstein in einer Karriere in Hochgeschwindigkeit. Mit zehn Jahren wechselte Ladner von Snowboard zu Ski, drei Jahre später stand er bereits im A-Kader des Skiklubs Arlberg, 2012 folgte das Debüt im Weltcup. Anfang Jänner legte ein neunter Platz in Calgary dann den Grundstein für die Olympia-Qualifikation. „Sotschi war zu Saisonbeginn ein Thema, aber das Ganze habe ich eigentlich schnell wieder aus den Augen verloren“, sagt der Tiroler. „Umso besser, dass es funktioniert hat.“

 

Mama packt den Koffer

Die Rolle des Teamkükens ist Ladner gewohnt, schließlich ist er auch im rot-weiß-roten Weltcuptross der Jüngste. „Da gibt es keinen Unterschied, ich werde behandelt wie alle anderen und bin überall dabei“, erzählt der 15-Jährige der „Presse“. Playstation oder Ähnliches sind in Sotschi nicht dabei, Lagerkoller ist dennoch ausgeschlossen. „Mit Kollegen und Trainern unternehmen wir viel, irgendwie haben wir immer Spaß.“

Seit Herbst besucht Ladner das Skigymnasium in Saalfelden, hauptsächlich aber führt der Teenager ein Leben als Globetrotter. Trainingslager in Neuseeland, Weltcups in Nordamerika – die Flüge quer über den Globus zählt er längst nicht mehr. „Manchmal sehnt man sich schon nach zu Hause, aber inzwischen ist das kein Problem mehr“, erzählt Ladner. So frühreif er wirkt, in manchen Dingen unterscheidet er sich nicht von anderen 15-Jährigen: „Den Koffer für Sotschi packt die Mama, sonst fehlt wieder die Hälfte.“ Eltern und Bruder drücken vor Ort die Daumen, auch die Freundin wäre zu gern mitgekommen, sie muss aber in die Schule.

Druck verspürt Ladner vor seinem Olympia-Debüt keinen und will sich auch selbst keinen machen. „Ich werde noch öfter die Chance haben“, ist er sich sicher, dass sein volles Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Fünf bis sieben Sprünge sind in jedem der zwei Qualifikationsläufe zu zeigen. Für Sotschi hat Ladner sein im Weltcup erprobtes Programm noch einmal adaptiert, dafür soll im Optimalfall eine Platzierung in den Top 20 herausschauen.

Abseits des Sportlichen will Ladner die Atmosphäre aufsaugen und die Stimmung genießen. Ein Besuch bei einem Spiel der Eishockey-Nationalmannschaft steht ganz oben auf der Wunschliste, auch auf ein Aufeinandertreffen mit dem einen oder anderen Star im olympischen Dorf hofft der 15-Jährige. Schließlich soll die Sammlung um das Selfie mit Bundespräsident Heinz Fischer bei der Einkleidung noch Zuwachs erhalten.

 

Teenager auf Medaillenjagd

Während Ladner am Dienstag gerade einmal in Sotschi landet, könnte sich Alterskollege Ayumu Hirano bereits sein erstes olympisches Edelmetall sichern. Der junge Snowboarder aus Japan gilt im Halfpipe-Bewerb als einer der größten Herausforderer von Titelverteidiger Shaun White. Als Zwölfjähriger durfte er bei den Burton's US Open nicht starten, sein Showlauf zwischen den Durchgängen aber hätte ihm wohl einen Platz im Finale gebracht. Im folgenden Jahr durfte der Teenager dann erstmals sein Können bei den Erwachsenen beweisen und siegte auf Anhieb. 2013 erfolgte gewissermaßen die offizielle Kampfansage an White, als Hirano bei den X-Games in Aspen trotz schweren Sturzes im Training hinter dem achtfachen Gewinner und zweifachen Olympiasieger aus den USA Silber holte.

Auch Julia Lipnizkaja sorgt bereits in jungen Jahren für Furore. Im Jänner lief die 15-Jährige bei ihrer ersten EM auf Anhieb zu Gold und trägt nun die Hoffnungen der russischen Eiskunstlauf-Fans. Mit der beeindruckenden Punktezahl von 209,72 katapultierte sich der Teenager in der ewigen Bestenliste hinter die koreanische Olympiasiegerin und Weltmeisterin Kim Yu-na (228,56) auf Platz zwei.

Die jüngste Athletin der Winterspiele aber schickt Deutschland ins Rennen. Skispringerin Gianina Ernst zeigt auf der FIS-Seite ihr breitestes Zahnspangen-Lächeln und stellte ihr Talent mit Platz zwei in Lillehammer unter Beweis. Geboren wurde Ernst am 31. 12. 1998, wäre sie nur einen Tag jünger – sie dürfte in Sotschi nicht starten.

AUF EINEN BLICK

Marco Ladner ist mit 15 Jahren und 291 Tagen der jüngste männliche Teilnehmer an Winterspielen der Nachkriegszeit. Der Ski-Freestyler tritt am 18. Februar in der Halfpipe an und strebt eine Top-20-Platzierung an.

Internationale Jungstars sind u. a. anderem Ayumu Hirano und Julia Lipnizkaja. Der 15-jährige Japaner fordert US-Star Shaun White in der Snowboard-Halfpipe heraus. Die gleichaltrige Russin geht als frisch gebackene Eiskunstlauf-Europameisterin auf Medaillenjagd. [ APA ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2014)