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Tanz statt Hass: Linz wird nicht Wien

BURSCHENBUNDBALL 2012 IN LINZ: PÜHRINGER
PÜHRINGER(c) APA/RUBRA (RUBRA)
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Am Samstag findet in Linz der Traditionsball schlagender Burschenschafter statt. Die Gegner geben sich betont friedlich, auch die Polizei bleibt gelassen. „Wiener Verhältnisse“ will niemand.

Linz/Wien. Es fühlt sich ein wenig nach Déjà-vu an. Platzverbot und Polizeieinsatz rund um einen Ball (und die Proteste dagegen), dessen Gästen eine Nähe zum rechten Rand nachgesagt wird. In Linz wiederholt sich das Spektakel um den Wiener Akademikerball von vor zwei Wochen. Bloß im kleinen Maßstab. Und ein bisschen entspannter und betont friedfertiger.

Denn Samstagabend findet der Burschenbundball im Palais Kaufmännischer Verein in Linz statt. Das Palais, auch die „kleine Hofburg“ genannt, wird zum Treffpunkt schlagender Burschenschafter. Der Ball ist – und das seit 1948–, heißt es von den Veranstaltern, die Jahresveranstaltung der in Oberösterreich lebenden Mitglieder nationaler, waffenstudentischer Verbindungen, ihrer Angehörigen, Freunde. Und es ist ein Ball, gegen den – wie in Wien – traditionell demonstriert wird. Aber in Oberösterreich ist klar – das betonen Ballgegner wie die Polizei: Verhältnisse wie in Wien wolle in Linz niemand.

 

„Laut, aber friedlich“

Zwei Demos sind jedenfalls angemeldet. Das Bündnis „Linz gegen rechts“ ruft unter dem Motto „Laut gegen Nazis“ zur „1. Linzer Tanzdemo“ auf. Hinter dem Bündnis stehen KZ-Verband/VdA OÖ sowie sozialdemokratische, kommunistische, gewerkschaftliche oder religiöse Organisationen. Und die Jungen Grünen Oberösterreich. Nachdem die Jungen Grünen Wien für ihre Webseite nowkr.at, auf der mit Slogans wie „Unseren Hass den könnt ihr haben“ zum Protest gerufen wurde, von der Partei mit Rauswurf bedroht wurden, appellieren die Oberösterreicher nun, sich friedlich zu verhalten. Gewalt und Vandalismus würden dem Anliegen schaden, heißt es.

„Eindringlich, laut, aber absolut friedlich“ wolle man auftreten, heißt es. Die Kundgebung (Start ist um 19 Uhr auf dem Hauptbahnhof) wurde mit 300 bis 500 Teilnehmern angemeldet. Allerdings ruft auch der Linzer Arbeitskreis gegen das Korporationsunwesen unter dem Motto „The nation is our enemy“ auf, an der Demo teilzunehmen und einen „anti-nationalen Block“ zu bilden. Schon am Vortag des Balls findet in Linz eine Kundgebung statt, die „2. Linzer Burschi-Tour“, ein Spaziergang samt Vortrag, der von der Stadtwerkstadt zu Linzer Treffpunkten von Burschenschaftern führt. Unterstützt wird die Tour von KPÖ und Grünen.

Und es ist wohl ein Mobilisierungstreff für Samstag. Den erwartet die Linzer Polizei aber relativ gelassen: Ausschreitungen erwarte man nicht, von „konstruktiven Gesprächen“ mit den Veranstaltern sei die Rede. Diese sprechen wiederum der Polizei Lob aus, von „Gelassenheit statt Konfrontation“ ist die Rede. Ein Platzverbot rund um das Palais wird es trotzdem geben. Wo genau, das will die Polizei am Freitag festlegen. Feststehen dürfte, dass auch Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) die gesperrte Zone durchqueren wird. Denn „seit jeher“ besuche der Landeshauptmann den Burschenbundball, lässt dieser ausrichten. Es handle sich dabei um ein „gesellschaftliches Ereignis“, keine politische Kundgebung. Mit dem Ball in Wien sei dieser nicht zu vergleichen. Aber: „Eine ein- oder zweideutige Bemerkung in Richtung extrem rechts würde mir bestimmt genügen, und ich wäre nicht mehr dabei.“ Trotzdem sorgt sein Ballbesuch für Proteste: In einem offenen Brief hat das Mauthausen-Komitee Pühringer – genauso wie Richard Hagelauer, den Rektor der Kepler-Uni – aufgerufen, den Ball nicht mehr zu unterstützen. Unter anderem mit den Argumenten, dem Corps Alemannia Wien zu Linz habe das NS-Idol Horst Wessel angehört, die Arminia Czernowitz zu Linz habe 2010 den Vortrag eines Antisemiten mit einem NSDAP-Motiv beworben.

 

FPÖ-Ausschluss nach Posting

Veranstalter des Balls sind auch FPÖ-Politiker, Präsident des Trägervereins ist Franz Obermayr, EU-Abgeordneter und Mitglied des Corps Alemannia Wien zu Linz. Obermayr war es auch, der schon zum Wiener WKR-Ball Rechts-Politiker wie Marine Le Pen eingeladen hatte und rund um den WKR-Ball 2012 in Wien von „Pogrom-Stimmung“ sprach. Der Linzer Ball werde hingegen „nie ein Politball“ werden, wurde er damals zitiert. Und doch, der Ball am Samstag sorgte schon für Wirbel in der Partei: Ein Mitglied wurde ausgeschlossen, nachdem es auf der Facebook-Seite der Linzer FPÖ über Demonstranten als „Rotzn“, die „in den Steinbruch“ gehörten, geschrieben hatte.

AUF EINEN BLICK

Der Linzer Burschenbundball am Samstag im Palais Kaufmännischer Verein Linz ist quasi der kleine Bruder des Wiener FPÖ-Balls. Auch dort treffen sich, organisiert von führenden Köpfen der FPÖ, nationale, waffenstudentische Verbindungen. Und auch dagegen wird protestiert: Gegner rufen zur „1. Linzer Tanzdemo“ und zur „Burschi-Tour“. Anders als in Wien geben sich die Veranstalter gelassen. Und auch die Polizei geht einen anderen Weg als in Wien und gibt sich relativ unbeeindruckt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2014)