Wiener Investor wird Großverleger beim Nachbarn

PECINA
PECINA(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Viele Gerüchte ranken sich um den Einstieg der Vienna Capital Partners in Ungarns Medienmarkt. Weil ihr Chef Heinrich Pecina kein Verleger, sondern Investor ist.

Wien. Die Meldung ging Ende Jänner fast unter: Der Wiener Investor Vienna Capital Partners (VCP) kauft eine Reihe von Medien der Schweizer Ringier-Gruppe und des deutschen Axel-Springer-Verlags. Die zwei Verlagsriesen, die in Ungarn ein Joint Venture bilden wollen, müssen aus kartellrechtlichen Gründen ihr Portfolio verkleinern. Und weil Ringier mit VCP-Seniorpartner Heinrich Pecina, einer breiteren Öffentlichkeit als früherer Hypo-Berater bekannt, schon einmal in Serbien ins (Medien-)Geschäft kam, fand man schnell wieder zusammen. 2008 war es Ringier, die der VCP die Boulevardzeitung „Blic“ abkaufte.

Nun aber übernimmt die VCP nicht nur die linksliberale Zeitung „Népszabadság“ („Freiheit des Volkes“), sondern auch die Wirtschaftszeitung „Vilaggazdasag“, das reichweitenstarke Sportblatt „Nemzeti Sport“, acht Lokalzeitungen, die ungarische „Bravo“ und eine große Druckerei. Das Paket soll angeblich 60 Mio. Euro kosten. Allein der 70-Prozent-Anteil an „Népszabadság“ soll 7,8 Mio. Euro wert sein. Fest steht, dass das künftige VCP-Medienportfolio größer sein wird als das von Ringier Axel Springer Hungary, die im Wesentlichen die Boulevardmarke „Blikk“ und Frauenmagazine behalten.

Nervöse Reaktionen

Der Deal löst vor allem in Ungarn, zwei Monate vor den Wahlen, Spekulationen aus. Ringier-Springer hätten sich von Marken getrennt, die ohnehin zur Last geworden waren, heißt es. „Um den Bauchladen beneidet Pecina niemand“, so ein in Ungarn tätiger Unternehmer. Die „taz“ berichtete, manche Journalisten glauben, Pecina agiere als Strohmann für den Fidesz-Vertrauten Lajos Simicka. Pecina dementiert das, tut es gar als „Alarmistenmeldung aus dem linken Lager“ ab. Er sieht seine Investition als logische Folge: Die VCP habe bereits Erfahrungen mit Ungarn (wo sie u.a. Anteile am Chemiekonzern BorsodChem hält) und dem Mediengeschäft (in Serbien, Kroatien). Zudem würden auch andere Unternehmen wie der US-Investor Elliott in Ungarns Medien investieren. Andere halten es für möglich, dass die VCP das Traditionsblatt „Népszabadság“, vor allem für Fidesz-Gegner „letzte Bastion unabhängiger Nachrichten“, in die Bedeutungslosigkeit führen soll. Einst hatte die Zeitung Auflagen weit über 600.000 Stück – heute sind es nur mehr 50.000. 27 Prozent an der Zeitung hält die Free Press Foundation, die der Sozialistischen Partei MSZP gehört und die ein Mitspracherecht bei der Bestellung von Chefredakteuren etc. hat.

Und hat Pecina keine Sorge, in einem Land wie Ungarn, das seit 2010 ein umstrittenes Mediengesetz hat, Medien zu besitzen? Ihm sei nicht bekannt, dass Journalisten an ihrer Arbeit gehindert wurden, sagt er. Und zu den Spekulationen rund um seine Beweggründe: „Es ist weder meine Absicht, mich operativ einzubringen, noch mich politisch einzumischen.“ Seine Pläne für das Sorgenkind „Népszabadság“: „Man muss das Ding einfach besser und interessanter machen.“ Der frühere Ringier-Ungarn-Chef wird das VCP-Mediengeschäft leiten.

Insgesamt 700 Mitarbeiter übernimmt die VCP, wenn der Deal von den Medienbehörden demnächst genehmigt wird. Journalisten bei „Népszabadság“ sehen dem neuen Eigentümer mit gemischten Gefühlen entgegen, weinen aber auch Ringier keine Träne nach. Die Zeiten seien unter Gruner+Jahr besser gewesen. Und ein Redakteur sagt: „Wir glauben nicht, dass VCP politisch engagiert ist. Uns ist klar, woran sie in erster Linie interessiert sind: am Geldverdienen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2014)

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