Tv-Kritik: Erotische Elegie aus Eisenhüttenstadt

D
rei Tage Total-Heiserkeit treiben den von jäher Stille und Kommu nikationslosigkeit leicht beunruhigten TheaterMenschen vor den Fernseher. Da kann er sich serienweise von Serien berieseln lassen. Endlich muss er sich nicht begnügen mit Ankündigungsspots, die ihm Gusto machen auf das, was er sicher versäumen wird. Endlich die geballte Ladung Feel-Good mit Himmlischer Familie, Bianca-Courts-Mahler, Gilmore Girls, SOKO Kitzbühel samt fremdenverkehrsfreundlichem Pendant Vier Frauen und ein Todesfall.

Fazit: Die Barrieren zwischen Bühnenschauspielern und Fernsehen existieren nicht mehr. Wer kann, der dreht. Manche fliehen wohl auch nicht ungern das anstrengende Theater, tauschen es gegen das lukrativere TV. Schließlich, zum Abschluss des durchaus amüsanten kurzen Couch-Potato-Daseins: "Das Schwalbennest" (Montag, ZDF) zum deutschen Problemthema Nr. 1: die Wiedervereinigung und ihre Folgen. Drei Freunde gründen ein Bordell, um die wirtschaftliche Verliererstraße zu verlassen. Doch die aus Minsk nach Eisenhüttenstadt angereisten Damen tun nur ansatzweise, was sie sollen, vielmehr, was sie wollen. Und sie verdrehen den treuherzigen Kumpels den Kopf. Deren Frauen sind stinksauer. Dazu kommt, dass die potenziellen Klienten der "Erotik-Bar mit Niveau" sich gerade das Bier leisten können, aber nicht die Frauen.

Als liebevolle Milieuschilderung beginnt der mit solide authentischen Typen (und wieder mit zwei Theaterschauspielern, Ernst Stötzner, Steffi Kühnert) besetzte Film, dann aber tritt er auf der Stelle und endet, wo Serien meist enden, in Glättung, Sentimentalität. Alles auf Zucker mit Henry Hübchen, verwandte Thematik, derzeit im Kino (Actors, 15.45h), ist besser.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.