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Proteststurm fegt über Bosnien

BOSNIA PROTEST SARAJEVO
(c) APA/EPA/STR
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Die Massendemonstrationen breiten sich von Tuzla auf andere bosnische Städte aus. In Sarajewo wurde der Sitz des Staatspräsidiums gestürmt. Die Polizei setzte Tränengas ein, die Demonstranten antworteten mit einem Steinhagel.

Sarajewo. Wie ein Flächenbrand breiten sich die Demonstrationen und Belagerungen von öffentlichen Gebäuden in Bosnien und Herzegowina aus. In der Hauptstadt Sarajewo versammelten sich am Freitag mehrere tausend Personen. Die Polizei setzte Tränengas ein, die Demonstranten antworteten mit einem Steinhagel. Am Nachmittag wurde der Sitz des Staatspräsidiums schließlich gestürmt. Mindestens 29 Menschen wurden verletzt. In der Industriestadt Tuzla drangen Demonstranten in das Haus der Kantonsverwaltung ein und zündeten es an.

Mit den Rufen „Diebe“ und „Verschwindet!“ belagerten Demonstranten auch das Kantonsgebäude in Zenica. Proteste gegen die lokalen Politiker gab es auch in Bihać sowie in Donji Vakuf, Sanski Most, Brćko und Mostar. In Brćko wurde der Bürgermeister festgehalten. Ruhig verliefen kleinere Demonstrationen in den serbisch kontrollierten Städten Banja Luka und Prijedor. In Zenica forderten Anhänger des Fußballvereins Sloboda Tuzla („Freiheit Tuzla“) die Demonstranten auf, Molotowcocktails zu bauen. Anleitungen dazu werden im Internet verbreitet.

Für Samstag sind weitere und noch größere Demonstrationen angekündigt. Busse von Emigranten aus Wien werden in Tuzla erwartet, Serben aus Bijeljina und anderen Städten Ostbosniens zeigten sich im Internet solidarisch mit den Arbeitern in Tuzla. Begonnen hatte alles am Mittwoch: Eine Gruppe Arbeiter demonstrierte vor dem Gebäude der Kantonsregierung in Tuzla. Sie schwenkten die altbosnische Lilienflagge und hielten das Poster des ehemaligen Staatschefs Jugoslawiens Josip Broz, genannt Tito, hoch. Sie forderten, mit den Verantwortlichen des Kantons zu sprechen, weil sie seit 27 Monaten keinen Lohn mehr erhalten hatten. Als niemand auf ihre Forderungen reagierte, versuchten sie das Gebäude mit Gewalt zu betreten. Die Polizisten hinderten sie daran.

Die wirtschaftliche und soziale Lage im Land ist prekär. Immer mehr Personen erklären in den Medien, in den vergangenen Monaten Hunger gelitten zu haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2014)