Er war Oscar-Preisträger und Ehrenobmann der Feuerwehr von Preitenegg in Kärnten. Beim Begräbnis des Schauspielers Maximilian Schell machte sich zwar die Prominenz rar.
Einst wurde der Österreicher in Hollywood umjubelt. Doch zum gestrigen Begräbnis von Maximilian Schell, der vergangenes Wochenende 83-jährig verstorben ist, sind nur wenige Wegbegleiter des Mimen, Regisseurs und Schriftstellers gekommen. Schauspieler Christian Wolff, Waltraud Haas, das Ehepaar Spiehs waren in das Kärntner Bergdorf gekommen, um Adieu zu sagen. Dafür war beinahe das ganze Dorf auf den Beinen, den berühmtesten Mitbürger zu ehren, der in seiner Wahlheimat ein ganz normaler Nachbar sein wollte – auch, wenn er es nie war: „Es war mir eine Ehre, mit Herrn Professor Schell an einem Tisch zu sitzen“, hat ein namenloser Preitenegger in das Kondolenzbuch geschrieben.
In der Nachkriegszeit gehörte Schell zu den Stars des deutschen Kinos, ehe er 1957 den Sprung nach Hollywood schaffte. Er spielte mit Marlon Brando, für seine Leistung im „Urteil von Nürnberg“ bekam er 1962 einen Oscar. Da hatte Schell bereits in Kärnten Wurzeln geschlagen. Zeitlebens pendelte er zwischen Preitenegg und Los Angeles. Er habe, würdigt ihn Landeshauptmann Peter Kaiser, seine zweite Heimat Kärnten „umarmt“. Zum Abschied umarmten ihn seine Mitbürger: der Gesangsverein, der Sportklub, die Feuerwehr, deren Ehrenobmann Schell war.
Stammtisch im Gasthaus. Auf dem Weg zur Kirche macht der Trauerzug einen Umweg zum Gasthaus Hanslwirt, Schells Lieblingslokal. „Der rechts in der Ecke war sein Stammtisch“, erzählt eine Kellnerin, „da musste immer eine Kerze stehen.“ Das sei die einzige Bedingung gewesen, „sonst war er wie einer von uns“. Unkompliziert und humorvoll hat man den Schauspieler in Erinnerung. Seine junge Frau, die Opernsängerin Iva Schell, habe einmal bei einer Geburtstagsfeier ein Ständchen auf den ihr unbekannten Jubilar angestimmt. „Das hat einen Applaus gegeben, dass d' glaubst: Gibt's des?“
In ihrer Trauerrede zitiert die nunmehrige Witwe Rainer Maria Rilke: „Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein. Gib ihnen noch zwei südlichere Tage.“ Maximilian Schell waren keine weiteren Tage gegönnt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2014)