[*] TV-Kritik Die Nachrichten (ZDF), Schattenreich (ARD) Leere Betten im Atombunker

W
ieder DDR-Vergangenheitsbewältigung im deutschen Fernsehen: Nach dem in den ver gangenen Wochen ausgestrahlten Vierteiler "Goodbye DDR" näherte man sich dem Thema am Montagabend auf ZDF fiktional: Im TV-Politfilm "Die Nachrichten" gerät ein "erfolgreicher Ossi", der es in den 90-ern zum TV-Moderator gebracht hat, unter Druck, als er mit seiner Stasi-Vergangenheit konfrontiert werden soll. Am Ende wird alles gut: Er war eh gar nicht bei der Stasi, die Stasi hätte ihn nur gern angeworben, deswegen war er in der Kartei. Damit hat man, wie auch schon in "Goodbye DDR", Fragen aufgeworfen (Von wem wurde das System DDR eigentlich getragen? Von einigen Bonzen? Von den Sowjets? Oder gab es neben Mielke, Honecker und Genossen eine ganze Reihe Leute, die sich mit dem System arrangiert hatten?) und blieb die Antwort schuldig: Der sympathische Held war es jedenfalls nicht.

Später abends, auf ARD, lief die Dokumentation "Im Schattenreich der DDR": SED-Größen hatten für den Fall des Falles Atombunker angelegt. Die Reporter marschieren durch gespenstisch leere Gänge und besichtigen eine für Erich Honecker vorgesehene Badewanne - und hunderte Betten. Für wen waren die? Wussten die Leute alle, dass sie ein Bett im Bunker hatten? Wie dachten sie darüber? Das würde uns mehr interessieren als Honeckers Badewanne.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.