M
it dem Zug durch ein exotisches Land reisen, Leute kennen lernen, mit Händlern, bud dhistischen Mönchen und Bauern plaudern, an Feldern und Flüssen vorbeifahren - das klingt nach Urlaub. Im Kreuz & Quer-Beitrag "Asien-Express" sah man einen Zug, der quer durch Kambodscha fuhr. Dörfer, Felder und Seen zogen vorbei, und die Leute in den überfüllten Waggons redeten über das buddhistische Neujahrfest, ihre Geldsorgen, über Kinder, die nicht lernen, und Zugpassagiere, die nicht zahlen wollen - und über das Regime der Roten Khmer, dem Millionen Menschen zum Opfer fielen.
Zuerst habe er studiert, unter Pol Pot habe er dann Schuhe repariert, erzählt ein Reisender. Ein Mann musste als Kind zusehen, wie die Eltern abgeführt wurden, die er dann nie wieder sah. Ein anderer erinnert sich an Gefangene mit verbundenen Augen und an Leichenberge und weint. Während er redet, schwenkt die Kamera auf die Landschaft und auf die Kinder, die ihre Hände in den Fahrtwind strecken.
Und als Zuschauer fragt man sich: Darf man Kambodscha schön finden? Nur weil es dort unbeschwerte Kinder gibt und die Sonne scheint? Man kann es aber auch umgekehrt sehen: Es war ein Reisebericht über ein schönes Land und Menschen, die interessante Geschichten zu erzählen hatten. Auch leidvolle. Ein realistischer, geglückter Reisebericht.