[*] TV-Kritik Desperate Housewives (ORF) Mitgefühl kann anstrengend sein

E
s gibt Serien, bei denen man sich seine Identifi kationsfigur aussuchen kann. "Monk" etwa. Da bietet sich der zwangsneurotische, aber hochintelligente und oft unterschätzte Titelheld an - sind wir nicht alle irgendwie intelligent und unterschätzt? Oder die ewig genervte Sharona, die die Launen ihres Chefs ertragen muss - geht es uns nicht allen so?

Bei der Serie "Desperate Housewives", die auf "Monk" folgt, tut man sich schwer. Lauter psychisch Kranke (so schlimm ist es bei einem selbst dann auch wieder nicht) und Kriminelle. Gut, die Serie will etwas aufzeigen. Wie verlogen es in reichen US-Vorstadtvierteln zugeht oder so. Das Problem: Wenn Männer bei Prostituierten Herzinfarkte bekommen, regt das keinen auf. Das tun sie laufend in irgendwelchen Serien und Filmen. Und wenn Frauen Verhältnisse mit minderjährigen Schülern haben, ist das zwar zu befremdend, um sich mit ihnen zu identifizieren, aber auch zu fad, um zu schockieren. Was soll man beim Anschauen der Serie eigentlich empfinden?

Bei der Wiederholung von "Sex and the City", die nachher läuft, wäre wieder Mitfühlen angesagt - mit Charlotte etwa, deren Ehemann ihr ein Baby aus Pappe schenkt, um sie über ihre Kinderlosigkeit zu trösten, und nicht verstehen kann, warum sie das nicht lustig findet. Nur dann kann man nicht so schnell wieder auf Mitgefühl umschalten.

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