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Giraffe "Marius" im Kopenhagener Zoo getötet und zerlegt

Vor zahlreichen Zoo-Besuchern zerlegten die Ärzte des Kopenhagener Zoos den Kadaver von Giraffe Marius.
Vor zahlreichen Zoo-Besuchern zerlegten die Ärzte des Kopenhagener Zoos den Kadaver von Giraffe Marius.(c) REUTERS/Kasper Palsnov/Scanpix Denmark
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Wegen Inzuchtgefahr wurde das an sich gesunde Tier getötet. Auch was nach dem Bolzenschuss mit dem Tier-Kadaver geschah, sorgte für Diskussionen.

Die Tötung eines vollkommen gesunden Giraffenkalbs im Kopenhagener Zoo wegen Inzuchtgefahr hat in Dänemark für Aufregung gesorgt. Wie Zoosprecher Tobias Stenbaek Bro am Sonntag mitteilte, wurde das eineinhalb Jahre alte männliche Tier mit dem Namen Marius in der Früh per Bolzenschuss getötet. Nach einer Autopsie wurde das Giraffenfleisch an Raubtiere im Zoo verfüttert. Nach der Tötung des Giraffenjungen richtete sich ein Sturm der Entrüstung gegen den Direktor des Zoos.

Auf seiner Internetseite hatte der Zoo ausführlich dargelegt, dass es zu der Tötung keine Alternative gebe. Der Tierpark gehört zur Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA), für die ein strenges Zuchtprogramm für Giraffen gilt. So dürfen sich nur solche Giraffen paaren, die nicht miteinander verwandt sind. Damit soll die genetische Vielfalt der Population erhalten bleiben.

Marius habe in keinem der etwa 300 EAZA-Zoos Aufnahme gefunden, weil die dortigen Giraffen ähnliches Genmaterial aufwiesen. Eine Kastration wäre demnach grausamer gewesen und hätte "unerwünschte Folgen gehabt". Auch eine Auswilderung in die Natur sei zu riskant gewesen - zumal das von afrikanischen Ländern nicht erwünscht sei, hieß es weiter.

Mehrere Angebote an den Zoo blieben ohne Ergebnis. Eine Privatperson soll 500.000 Euro geboten haben, auch der Zoo im schwedischen Östersund wollte Marius aufnehmen. Der Zoo gehört nicht zum EAZA-Zooverband und hat aktuell auch keine andere Giraffe im Bestand, das berichtete die schwedische Zeitung "Expressen".

Im Chat mit "Ekstra Bladet"-Lesern erklärte Holst, es sei die Aufgabe des Tierparks, den Menschen ein möglichst authentisches Verständnis von Natur zu vermitteln, schreibt das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Hätten die Löwen die Giraffe nicht bekommen, wäre es ein Pferd gewesen, das wir vom Schlachthof erhalten hätten. Aber wir werden die Herkunft von Fleisch nicht geheim halten - und auch nicht das Leben und den Tod", wird Bengt Holst zitiert.

Umgang mit Kadaver in der Kritik

Mit dem Tod von Giraffe Marius endete die Diskussion allerdings nicht. Denn auch das, was danach mit dem Kadaver des Tieres geschah, sorgte für heftige Reaktionen. Denn die Autopsie wurde in aller Öffentlichkeit durchgeführt. Drei Stunden lang zerlegten die Ärzte des Zoos den Kadaver und erklärten den Zoo-Besuchern ihr Vorgehen. Das Giraffenfleisch bekamen im Anschluss die Raubtiere des Kopenhagener Zoos.

Eine Facebook-Gruppe namens "Rettet Marius" verzeichnete Sonntagfrüh mehr als 5200 Anhänger. Etwa 3400 unterzeichneten auf skrivunder.net eine Petition in dänischer Sprache. Unter einer englischsprachigen Petition auf thepetitionsite.com gab es rund 24.000 Unterschriften.

Unterstützung bekomm der dänische Zoo durch den Direktor des Nürnberger Zoos, Dag Encke. Eine Giraffe zu verfüttern, sei im Grund nichts anderes, als ein Schwein zu keulen, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. "Die Leidensfähigkeit der beiden Tiere ist identisch", betonte Encke. "Wir Zoos sind auch da, um den Menschen zu zeigen: Das ist etwas ganz Natürliches, auch eine Giraffe wird gefressen."

(APA/Red.)