Tv-Kritik: Zwischen Hüpfdohlen und Sebastian Kneipp

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in Programm wie eine Kopfwehtablette, Regie: Alka-Seltzer. Mehr kann der Fernsehkonsument am ersten Tag des Jahres sowieso nicht ertragen. Auf das erfahrene Ärzteteam des ORF ist diesbezüglich zu hundert Prozent Verlass. Walzerklänge und der Anblick der Blumengestecke beim Neujahrskonzert: Was könnte nervenschonender sein? Nur dieser weißhaarige Pantomime im schwarzen Pyjama, der in endlos langen Zwischenfilmchen halblustig herumkaspert, könnte aggressivere Zeitgenossen zu einem postalkoholischen Amoklauf verleiten. Egal: Zu diesem Zeitpunkt ist der Blick aufs neue Jahr ohnehin noch unklar, wie durch einen Schleier. Das hat seine Vorteile.

Auch während der Übertragung der Vierschanzentournee aus Garmisch-Partenkirchen will und kann man noch nicht so richtig in Fahrt kommen. Zwischen Ahonen und Morgenstern lässt sich deshalb wunderbar ein Regenerationsschläfchen einschieben, um das Krautfleisch und das Seidl danach in gebührender Weise zu verarbeiten.

Wenn man aufwacht, sind die magersüchtigen Hüpfdohlen in ihren seltsamen Tauchanzügen längst wieder im Wohnwagen, und draußen ist es finster. Wieder ein Tag, denkt man sich. Wenn das so weiter geht in dem Tempo heuer, na servus. Ein äußert gefährlicher Moment also. Ein Moment, in dem die postsilvestrische Tristesse voll auszubrechen droht.

Und genau jetzt lässt uns das 1er-Programm völlig im Stich. "Galaxy Quest - Planlos durchs Weltall" wird angeboten. Genau so fühlt man sich jetzt - planlos durchs All schwebend. Aber was man jetzt braucht ist Halt. Doch keine Angst, die Rettung ist nah. Denn am 2er läuft der heilsame "Sebastian Kneipp". Auf den ORF ist eben Verlass. Danke.

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