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Drohnen: Wie die NSA bei gezielten Tötungen hilft

Tod per Fernsteuerung: US-Kampfdrohne vom Typ Predator
Tod per Fernsteuerung: US-Kampfdrohne vom Typ PredatorMASSOUD HOSSAINI / EPA / picture
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Ein ehemaliger Drohnenpilot packt aus: Oft würden die Ziele eines Angriffs gar nicht richtig identifiziert. Man verlasse sich auf Metadaten oder die Lokalisierung von Sim-Karten, die Terroristen zugeschrieben werden.

Der US-Geheimdienst NSA (National Security Agency) spielt offenbar eine wesentliche Rolle bei den gezielten Tötungen von Terrorverdächtigen, die das US-Militär mit Drohnen in Afghanistan, dem Jemen oder Somalia verübt. Und aufgrund der mangelhaften Methoden der NSA kommen dabei immer wieder unschuldige oder nicht ausreichend identifizierte Menschen ums Leben. Zu diesem Schluss kommt der Enthüllungs-Journalist Glenn Greenwald im ersten Bericht seiner neuen Internetseite "The Intercept".

Greenwald, der vormals für den britischen "Guardian" schrieb, ist einer jener Journalisten, die seit vergangenem Juni federführend die Dokumente des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden auswerten. Seine Mitstreiterin Laura Poitras ist bei "The Intercept" wieder mit an Bord.

Auch für seine jüngste Enthüllung über das US-Drohnenprogramm griff Greenwald auf Material Snowdens zurück, seine primäre Quelle ist allerdings ein - anonym bleibender - ehemaliger Mitarbeiter des "Joint Special Operations Command" JSOC, der das Drohnenprogramm untersteht.

Wer das Handy hat, wird nicht überprüft

Der Soldat, der selbst Drohnen fernsteuerte, sagte, dass mit Sicherheit unschuldige Menschen getötet wurden, weil man sich bei der NSA immer stärker auf elektronische Überwachungsdaten wie etwa die Verfolgung von Handy-Sim-Karten und ähnliche Methoden verlasse. Die Überprüfung durch "klassische" Geheimdienst-Arbeit, wer tatsächlich das betreffende Handy oder die betreffende Sim-Karte im Moment des Drohnen-Angriffs bei sich trage, bleibt dabei offenbar oft aus.

Eine solche Überprüfung wäre umso mehr nötig, als die Taliban und andere Gruppen ja längst zu Gegenmaßnahmen gegriffen haben, um ihre Identität zu verschleiern. Im Wissen der Methoden der NSA würden bei einem konspirativen Treffen etwa die Teilnehmer ihre Sim-Karten in einen Sack geben, und nach kräftigem Durchmischen mit einer anderen Karte das Treffen wieder verlassen, wie der ehemalige Drohnen-Steuerer berichtete: "So verwirren sie uns."

Ähnlich äußert sich auch Brandon Bryant, der jahrelang in der US Air Force die "Augen" von Drohnen steuerte, also deren Kameras: Die Terroristen seien mittlerweile "richtig clever" geworden und würden nicht mehr die gleichen Fehler machen wie früher." Bryant war selbst an tödliche Drohnenangriffe im Irak, in Afghanistan und im Jemen beteiligt und ist nach seinem Ausstieg zu einem scharfen Kritiker dieser Operationen geworden.

"Tod durch unverlässliche Metadaten"

Wird dann tatsächlich ein Abschussbefehl gegeben, kann es jemand ganz anderen treffen, als beabsichtigt: "Wir wissen nicht, wer tatsächlich das Handy bei sich hat", gibt der ehemalige JSOC-Mann unumwunden zu. Man nehme eben an, dass es jemand sei, sei den man einen "ungesetzlichen feindlichen Kämpfer" nennen könne: "Und hier wird die Sache äußerst dubios." Aufgrund seiner Erfahrungen kommt der einstige Drohnenpilot zu dem Schluss, dass das Drohnenprogramm letztlich auf "Tod durch unverlässliche Metadaten" hinauslaufe.

 

"Es ist, als ob wir hinter Handys her wären, nicht hinter Menschen. Wir jagen ihre Handys, in der Hoffnung, dass die Person am anderen Ende wirklich der böse Junge ist", zitiert "The Intercept" seine Quelle. Nach den "höchsten Standards", die man laute US-Präsident Barack Obama vor einem tödlichen Angriff einhalte, um zivile Todesopfer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen, klingt das nicht.

Das Grüne Licht für einen solchen Angriff kommt immer vom Präsidenten selbst. Doch das Prozedere selbst befördert die Wahrscheinlichkeit, dass es zivile Opfer gibt. Denn bis man das OK aus dem Weißen Haus etwa für einen Drohnenangriff im Jemen bekomme, könnten 18 Monate vergehen, so Greenwalds Hauptinformant. Doch die Erlaubnis gilt nur 60 Tage: Es sei also die Versuchung groß, innerhalb dieser Frist loszuschlagen, auch wenn dabei eine hohe Wahrscheinlichkeit bestehe, Zivilisten zu treffen - denn man wisse ja nicht, wann sich die nächste vom Präsidenten abgesegnete Möglichkeit dazu ergebe. 

"Wir spüren sie auf, ihr vermöbelt sie"

Die NSA wollte laut Greenwalds Bericht seine Fragen zu den Vorwürfen nicht beantworten. Caitlin Hayden, die Sprecherin des Geheimdienstes, legte aber offenbar Wert auf die Feststellung, dass man sehr wohl eine große Bandbreite an Informationen einhole, inklusive Geheimdiensterkenntnisse vor Ort, wenn es nach einem tödlichen Angriff Anzeichen gebe, dass Zivilisten zu Schaden gekommen sein könnten.

In der NSA soll es laut einem älteren Bericht der Washington Post übrigens ein Motto gegeben haben, in Anspielung auf die eigenen technischen Fähigkeiten, Terror-Verdächtige aufzuspüren: "We Track 'Em, You Whack 'Em" - "Wir spüren sie auf, ihr vermöbelt sie".

>>> Zum Bericht auf "The Intercept"

 

(hd)