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"Mahnung für die Zukunft": Regierung gedenkt des Bürgerkrieges

Bürgerkrieg 1934: SPÖ und ÖVP gedenken gemeinsam
Vertreter der Opferverbände Gerhard Kastelic, Johannes Schwantner; Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael SpindeleggerAPA/HERBERT NEUBAUER
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Faymann und Spindelegger legten einen Kranz nieder. Es war das erste Mal seit 50 Jahren, dass SPÖ und ÖVP gemeinsam gedachten.

Erstmals seit 50 Jahren haben SPÖ und ÖVP heute gemeinsam des Bürgerkriegsbeginns am 12. Februar 1934 gedacht. Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger legten einen Kranz beim Mahnmal der Opfer für ein freies Österreich (1934 bis 1945) am Wiener Zentralfriedhof nieder.

Fast alle Regierungsmitglieder, die Klubobleute von SPÖ wie ÖVP sowie Vertreter von Opferverbänden und Religionsgemeinschaften fanden sich am Zentralfriedhof ein, um der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen sozialdemokratischem Schutzbund und dem Dollfuß-Regime zu gedenken.

Spindelegger sprach von einer "Mahnung für die Zukunft". "Wir gedenken heute aller Opfer, die für ein freies Österreich gekämpft haben." SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder betonte, dass ganz bewusst die Gräben zwischen beiden Parteien überbrückt würden. Und sein ÖVP-Gegenüber Reinhold Lopatka würdigte die Aufarbeitung, welche an der Sache und nicht an Emotionen orientiert sei.

Dollfuß-Porträt im ÖVP-Klub bleibt Streitpunkt

Inhaltlicher Streitpunkt ist nach wie vor das Porträt des ehemaligen Bundeskanzlers und Begründers des austrofaschistischen Ständestaats, Engelbert Dollfuß, im Parlamentsklub der ÖVP. Spindelegger plädierte für eine differenzierte Sichtweise. Schließlich sei Dollfuß auch eines der ersten Opfer der Nationalsozialisten gewesen. "Man muss ihn als das sehen, was er ist. Das alles gehört mit einem nüchternen Blick aufgearbeitet, ohne dass man irgendetwas beschönigt."

Spindelegger kann sich, wie vom Parlamentsklub schon angekündigt, auch vorstellen, das umstrittene Porträt etwa mit einem von Historikern erarbeiteten Text zu versehen, denn: "Mit dem Abhängen eines Bildes ändert man die Geschichte nicht." Lopatka wiederum erinnerte daran, dass man die Person Dollfuß nicht völlig von der Parteigeschichte trennen könne. Die ÖVP sei zwar nach dieser Zeit neu gegründet worden, die handelnden Personen seien aber in vielen Bereichen die selben geblieben, meinte er.

SPÖ-Klubobmann Schieder begrüßte die von der ÖVP angekündigte Neubewertung des Themas als "ersten Schritt". Dennoch sei es "schwer zu akzeptieren, dass ein solches Porträt in den Klubräumen hängt". Ob dieser erste Schritt genug sei, "wird man sehen".

Die Gedenkfeiern zum 12. Februar sind ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur der Sozialdemokraten. Ein gemeinsames Erinnern ehemals verfeindeten Lager hat es erst einmal gegeben: 1964 haben der damalige ÖVP-Bundeskanzler Alfons Gorbach und SPÖ-Parteichef Bruno Pittermann einen Kranz niedergelegt.

(APA/Red.)