Tv-Kritik: Narrische Highlights eines halben Jahrhunderts

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eniger Autos, weniger Geld, weniger Waschmaschinen und we niger Fernseh-Apparate, so war das vor 50 Jahren. Doch den Vil lacher Fasching, den gab es schon. Samstagabend feierte er seinen runden Geburtstag in ORF2. Mit anmutig die Beine schwingenden Mädchen, einem Rückblick auf "narrische Highlights eines halben Jahrhunderts" - und mit Scherzen, die den anwesenden Politikern die Laune nicht verdarben. Was zum Beispiel dadurch gewährleistet wurde, dass "der Apotheker" (Alexander Telesko) einen Sketch mit Politiker-Namen zum Besten gab ("Es wird immer grasser!"), der EU-Bauer (Manfred Tisal) sich über seinen Kollegen Gusen-Bauer lustig machte ("Seine Arbeit ist so geheim, dass er selber nicht weiß, was er tut") und der "Nachzipfer" (Hannes Höbinger) eine Lektion in Kärnterisch erteilte ("A mandle, a weible, a kindle"). Man sieht schon, diese Art Witz und Wortwitz wirkt nur für den Moment, meist dank der Betonung, des Interpreten, der Stimmung.

Wenn man später davon erzählt (oder schreibt), glaubt einem kein Mensch, dass das Ganze wirklich recht nett und hin und wieder sogar lustig war. Die köstlichste Wirkung erzielten allerdings jene drei Herren, die auf dem Klavier den alten Hadern Jo mir san mit'n Radel do in Mozart-, Tschaikowsky- und Jazz-Manier spielten. Während der Humor des alten Ehepaares zeitweilig eher in den Tiefen des Genres tauchte ("Kennt ma no Liebe machen?" - "I schlaf jetzt, waßt eh, wo alles is.").

Ja, er ist eben nicht nur ein rüstiges und robustes, sondern auch ein rustikales Format, der Villacher Fasching, in seinem Lokal-Kolorit uns naturgemäß näher als der Mainzer Karneval. Und wer's eleganter haben will, kann sich ja nach Venedig aufmachen.

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