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EU widmet sich schwachen Schülern

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Das Netzwerk ELINET soll Bildungsministerien und Schulen beraten. In Rumänien und Bulgarien haben 40 Prozent der Jugendlichen Leseschwächen.

Ein neues, von der Europäischen Kommission initiiertes Thinktank, soll in den kommenden Jahren die Lese- und Schreibfähigkeiten der EU-Bürger fördern. Das neu gegründete European Literacy Policy Network (ELINET) soll die Lese- und Schreibförderung vorantreiben. Sprich: Standards entwickeln und mit ihren 80 Netzwerk-Organisationen die Umsetzung vor Ort begleiten.

Bisher ist die EU an ihrem Ziel gescheitert, den Anteil an leseschwachen Jugendlichen deutlich zu verringern. Aktuelle Vorgabe ist die Senkung auf maximal 15 Prozent bis 2020 - Status quo sind rund 20 Prozent im EU-Schnitt, in einigen Ländern wie Rumänien und Bulgarien allerdings mehr als 40 Prozent. Dazu kommen 75 Millionen Erwachsene, denen es an grundlegenden Lese- und Schreibfertigkeiten fehlt.

Wie kann man Förderung umsetzen?

ELINET soll nun ein Aktionsprogramm mit einheitlichen Qualitätsstandards entwickeln, wie diese Förderansätze für die verschiedenen Gruppen (Kinder, Jugendliche, Erwachsene) in die Praxis umgesetzt werden können. Dabei wird auf eine europaweite Zusammenarbeit von Ministerien, Stiftungen, Vereinen und anderen Organisationen aus dem Bereich Lese- und Schreibförderung gesetzt. Außerdem soll ELINET eine zentrale Informationsplattform zur Leseförderung einrichten und EU-weite Kampagnen erarbeiten.

Umsetzung wird zehn Jahre dauern

Das mit drei Millionen Euro geförderte Projekt ist vorerst auf zwei Jahre angesetzt. "Mit der Umsetzung des Aktionsprogramm in die Praxis werden wir aber eine Dekade beschäftigt sein", sieht Netzwerk-Koordinatorin Christine Garbe, Sprachwissenschafterin an der Universität Köln, viel Handlungsbedarf.

Die Wertigkeit von Leseförderung in den einzelnen EU-Ländern sei derzeit sehr unterschiedlich, sagt Garbe. Im vergangenen Jahrzehnt seien zwar (auch aufgrund des "PISA-Schocks") in einigen Ländern bereits Fördermaßnahmen entwickelt worden, viele ignorierten das Problem aber weiterhin. "Bulgarien oder Rumänien sind gemessen an europäischen Standards echte Entwicklungsländer."

Die Idee von ELINET ist es laut Garbe, für solche Länder auch ein Stück weit "Entwicklungshilfe" zu leisten. Dabei sollen die Programme zwar einheitliche Standards erfüllen, die Umsetzung aber an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Die Arbeit vor Ort sei wichtig, um die tatsächlichen Probleme in der Praxis zu sehen.

Best-Practice-Beispiele

Grundlage des Programms sind Informationen, wie es um die Lesefähigkeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bestellt ist, sowie Best-Practice-Beispiele aus dem Bereich Lese- und Schreibförderung. "Das mündet darin, dass wir letztlich Politikberatung machen - als zentraler Thinktank für Literacy-Politik für die Bildungsministerien bis in die einzelnen Schulen", so Garbe. ELINET soll außerdem auch Kontrollinstanz sein, betont Garbe. Immerhin seien in der Vergangenheit viele Millionen Euro für Lese- und Schreibförderung verschwunden oder ineffizient eingesetzt worden.

Auftaktkonferenz

Von 24. bis 27 Februar findet in Wien eine mehrtägige Auftaktkonferenz von ELINET mit 120 Teilnehmern aus allen 80 Netzwerkorganisationen statt. Aus Österreich werden der Buchklub der Jugend, das Bibliothekswerk, das Lesezentrum Steiermark und der Verein "Inspire Thinking" dabei sein.

(APA/Red.)