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nd ich stellte mal wieder fest, dass die Realität ein geräumiges Anwesen ist." Dieser schöne Satz stammt von Doris Knecht und findet sich in Hurra (Czernin Verlag), der Sammlung ihrer Kolumnen im Magazin des Schweizer Tages Anzeiger. "Wir hier, im Narrentrakt", das sind Knecht und ihre Freunde und Kollegen, und was die Journalistin zu sagen hat, über ihr zart irres Leben zwischen Zürich und Wien, abseits von Doppelgaragen und vernünftigen Schuhen, macht süchtig. Man bekommt leider auch unbändige Lust, Gin Tonic zu trinken. Was vormittags um 11 Uhr nicht so eine gute Idee ist. Also greifen Sie erst zu diesem Buch, wenn es dunkel ist und die Eiswürfel im Tiefkühlfach durchgefroren sind.
Davor geht sich heute Abend noch die Premiere von Der reizende Reigen nach dem Reigen des reizenden Herrn Arthur Schnitzler von Werner Schwab im Ensembletheater aus (19.45 Uhr). Die zehn Menschen, die auf der Suche nach Geborgenheit und Lebenssinn sind, "stoßen aufeinander wie Eisberge". Brrr. Dennoch verspricht Regisseur Dieter Haspel, dass sich das Stück trotz aller Schwärze als melancholische Komödie entpuppt. Ein echter Schwab eben, mit radikaler Sprache, die seinem Anspruch gerecht wird: "Die Sprache zerrt die Personen hinter sich her: Wie Blechbüchsen, die man an einen Hundeschwanz angebunden hat." Ab heute bis 19. Februar (täglich außer Sonntag und Montag).
Um Kälte im tatsächlichen Sinn geht es heute Abend beim Vortrag des Physik-Nobelpreisträgers Wolfgang Ketterle. Er spricht im Rahmen der "Einstein-Lectures" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über neueste Forschungsergebnisse zu ultrakalter Materie (18.15 Uhr).
Aber auch Kino wäre nett. Ray ist großartig, unbedingt im Original anschauen (Artis, Burg, Haydn). Danach könnte allerdings eine hübsche Summe für den Kauf von Ray Charles CDs draufgehen. Mein Favorit ist Genius loves company, Duette mit Freunden von Willie Nelson, Bonnie Raitt bis Van Morrison. Einfach schön.