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Die Profiteure der Kärntner Hypo-Pleite

Hypo Alpe Adria.
Hypo Alpe Adria.(c) APA (Gert Eggenberger)
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Nicht alle zahlen bei der Hypo Alpe Adria drauf: Hedgefonds, Spekulanten, Bundesländer und andere Banken dürfen sich über schöne Gewinne freuen.

Wien. Wenn die Hypo Alpe Adria jetzt in der geplanten „Anstalt“ abgewickelt wird, dann wird das die österreichischen Steuerzahler insgesamt zwischen 13 und 19Milliarden Euro kosten. Bei der größten Pleite der österreichischen Wirtschaftsgeschichte gibt es aber nicht nur Verlierer. Geld verschwindet nicht, es wechselt nur den Besitzer. Am Ende des Tages wird sich also eine Reihe von Leuten über schön gewachsene Kontostände freuen, einige Banken und Bundesländer werden sich zulasten der Steuerzahler mehr als eine Milliarde Euro erspart haben.

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Ganz spannend wird es bei den landes- und staatsgarantierten Anleihen: Die Hypo hat sich in sehr hohem Ausmaß über landesgarantierte Anleihen (in der Spitze waren das 25 Mrd. Euro, jetzt sind es noch rund elf) refinanziert. Die Käufer dieser Anleihen (überwiegend Fonds, Banken und andere institutionelle Investoren) werden durch die Garantie vor Verlusten geschützt.

Es kommt aber noch besser: Diese Anleihen sind auch gehandelt worden. Und zwar, weil die Bank de facto pleite war, zu drastischen Abschlägen. Nach dem Absturz wechselten Hypo-Anleihen (siehe Grafik) zu 20 bis 30 Prozent des Nominalwerts den Besitzer. Sie werden, falls die Regierung die Anleiheinhaber nicht doch zu freiwilligen Verzichten bewegen kann, aber zu hundert Prozent getilgt. Kurzum: Einem Hedgefonds, der rechtzeitig Hypo-Anleihen zugekauft hat, dem legt der Steuerzahler demnächst das Drei- bis Fünffache seines Einsatzes drauf. Ein einträgliches Multimillionengeschäft. Bei den staatlich garantierten Anleihen, die seit der Notverstaatlichung aufgelegt worden sind, sind die Abschläge (wegen der Bundesgarantie) nicht so groß gewesen. An die zehn Prozent sind aber auch hier auf Steuerzahlerkosten locker zu verdienen.

Dem Haftungsverbund der Hypos erspart die jetzt favorisierte Anstaltslösung rund 1,3 Mrd. Euro. Profiteure sind die anderen Landeshypos und deren Eigentümer, also die meisten Bundesländer (besonders Tirol, Vorarlberg und Niederösterreich) sowie Raiffeisen als Miteigentümer einiger Hypos. Auch diese Summe wird de facto den Steuerzahlern umgehängt.

Schon in trockenen Tüchern sind die Gewinne der berühmt gewordenen Investorengruppe um Tilo Berlin und des Landes Kärnten. Die Investoren (rund 100 Geldmenschen aus dem Kärntner und steirischen Landadel sowie der Wörthersee-Industrieschickeria samt Flick-Stiftung) haben Jörg Haider bzw. seiner Landesbank mit einem Genussscheinmodell aus der Patsche geholfen und dafür einen schnellen 150-Mio.-Euro-Gewinn abgecasht. Das ganze Geschäft roch ziemlich streng nach Insidertum, war aber rechtlich offenbar korrekt.

Zu den Profiteuren gehört übrigens auch das Land Kärnten. Das legte beim Verkauf an die Bayern eine halbe Milliarde aus dem Verkaufserlös in einen „Zukunftsfonds“ – und denkt nicht daran, dieses Geld für die Abwicklung der Bank herauszurücken. Kärnten kassiert übrigens auch noch „Haftungsprovision“ für eine Haftung, die es nie einlösen kann. In der Vergangenheit wurde diese Provision überwiegend zur Finanzierung von Wahlkämpfen eingesetzt, Jörg Haider hatte sich zu diesem Zweck die Provisionen für mehrere Jahre im Voraus auszahlen lassen.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2014)