Deutsche Banken hoffen auf Erleichterungen bei Stresstest

Schrumpfende Institute brauchen womöglich weniger Eigenkapital - Viele Landesbanken sind mit dem Umbau fast fertig.

Frankfurt. Schrumpfende deutsche Banken können beim anstehenden Stresstest auf ein Entgegenkommen der Europäischen Zentralbank (EZB) hoffen. Normalerweise setzt die EZB voraus, dass die Bilanzsumme der von ihr unter die Lupe genommenen Institute in den nächsten drei Jahren auf dem Niveau von 2013 verharrt.

Bei Häusern, die in der Finanzkrise Staatshilfen bekommen haben und im Gegenzug auf Geheiß der EU kleiner werden müssen, können die Aufseher jedoch unterstellen, dass ihre Bilanzsumme auf die mit der EU-Kommission vereinbarten Zielwerte sinkt. In der Folge brauchen sie womöglich weniger Eigenkapital als andere. "Das könnte eine kleinere Erleichterung sein", sagte ein betroffener Banker am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Ausnahme betrifft alle Institute, deren Sanierungspläne die EU im Zuge eines Beihilfeverfahrens genehmigt hat, wie aus den von der EZB und der EU-Bankenaufsicht EBA veröffentlichten Bedingungen für den Stresstest hervorgeht. Ein Sprecher der deutschen Finanzaufsicht BaFin bestätigte, dass davon auch deutsche Banken betroffen sind. Einen von der EU genehmigten Restrukturierungsplan haben die HSH Nordbank, die NordLB, die BayernLB, die LBBW, die Commerzbank sowie die Hypo Real Estate (HRE, Deutsche Pfandbriefbank).

Krisenszenario

Beim Stresstest prüfen EZB und EBA, wie die 104 wichtigsten Geldhäuser in der EU mit einem Krisenszenario fertig würden. Am Ende müssen sie noch ein Eigenkapitalpolster von mindestens 5,5 Prozent der Bilanzrisiken vorweisen. Die Prüfer der EZB wollen allerdings den Vorgaben in den Sanierungsplänen nicht sklavisch folgen, wie es in Aufsichtskreisen heißt. Sie wollten vielmehr kritisch hinterfragen, wie sich der Bilanzabbau tatsächlich in der Kapitaldecke niederschlägt. Denn er könne in der Krise unter Umständen auch zu höheren Risiken führen und mehr Eigenkapital aufzehren als von den Instituten gedacht.

Die meisten deutschen Institute haben ihre Pläne schon zu großen Teilen erfüllt oder sogar übererfüllt. Die Bilanzsumme der Commerzbank lag Ende September mit 593 Mrd. Euro unter der mit der EU für Ende 2014 vereinbarten Zielmarke von 600 Mrd. Euro. Auch die HSH Nordbank hat ihre Bilanzsumme bereits stärker gedrückt als von der EU gefordert. Bei der HRE läuft der Verkauf der irischen Tochter Depfa dagegen noch, der die Bilanz des Münchner Instituts deutlich schrumpfen ließe. Zuletzt wies die Depfa immerhin noch eine Bilanzsumme von 73 Mrd. Euro auf.

Große Aufgaben für Italiener

Die deutschen Landesbanken, die oft schon zügig nach der Finanzkrise mit einem Umbau begonnen haben, sind dagegen nicht mehr weit entfernt von den Zielen, die sie mit der EU vereinbart haben. Die BayernLB, die Ende September noch 261 Mrd. Euro Bilanzsumme aufwies, muss diese bis 2015 auf 240 Mrd. Euro drücken. Die NordLB, die ihr Kapital auf Geheiß der EBA aufstockte und deshalb ein Beihilfeverfahren am Hals hatte, kam zuletzt auf eine Bilanzsumme von 205 Mrd. Euro. Bis 2016 muss sie auf knapp unter 200 Mrd. Euro sinken.

Deutlich größere Aufgaben vor sich haben Geldhäuser wie die italienische Banca Monte dei Paschi, die erst vor kurzem einen Sanierungsplan vorgelegt hat. Er sieht einen Abbau der Bilanzrisiken von zuletzt 93 Mrd. Euro auf rund 81 Mrd. im Jahr 2017 vor. Wenn diese Zielwerte im Stresstest berücksichtigt werden, wäre das für Monte dei Paschi eine große Erleichterung.

(APA/Reuters)

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