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usgerechnet die "Süddeutsche Zeitung" hat das neue Jahr mit der vergnügten Ak tion begonnen, große Zitate, die im "unermüdlichen Einsatz" waren, in den Urlaub zu schicken. Darunter auch Theodor W. Adornos Faustschlag von einem Satz: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Adieu, ruft der Redakteur und verrät, warum man sich aber schon gar nichts antun soll, wenn man, davon geprägt, dem "kalten, schwarzen Nichts ins Angesicht" schaut. Nun rächen sich aber die Dinge, die man verabschiedet, gerne damit, danach noch präsenter zu sein als zuvor. Überall lauert er jetzt, dieser Satz, und die fulminante Rückkehr von Werten hilft auch nicht dabei. Allerorten hört man es zischeln, was richtig ist und was falsch. Schon allein die Frage, ob es richtig ist, sich am Opernball zu amüsieren. Als ob dort das Vergnügen zu Hause wäre! Wenn, dann wohnt Unbeschwertheit dem Blumenball (Rathaus) am Freitag bei oder dem Ball der Oberösterreicher (Austria Center) am Samstag in einer Woche. Amüsement droht auch bei der Radio Arabella Partynacht im Palais Eschenbach morgen, Donnerstag. Falsch ist auf jeden Fall der Frühling im Winter, der in den müden Augen blendet, und der Winterschlussverkauf, der beendet, was noch gar nicht begonnen hat.
Wie das ungebetene Erscheinen von Personen wiederum dem Leben einen falschen Drall geben kann, zeigen zwei lesenswerte Romane. In Liebeswahn von Ian McEwan markiert ein tödlicher Ballonunfall den Anfang eines Psychodramas, befeuert durch Schuldgefühle und wahnhafte "Liebe". Der Roman aus dem Jahr 1998 wurde nun mit Bill Nighy und Daniel Craig verfilmt und sollte bald hier anlaufen.
Nur wenige Monate alt ist Eine Liebe in Dublin von Deirdre Madden. Hier drängt sich ein frustrierter Anwalt ungefragt ins Leben einer jungen Künstlerin. William, der sein bisheriges Leben als gescheitert sieht, fordert von Julia, der Glätte seiner Existenz Sinn zu geben. Nach der Lektüre bitten Sie niemanden so schnell mehr um Feuer.