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anche Zwänge sind unbesiegbar. Etwa, heute Abend die TV-Übertragung des Opernballs anzuschauen - wobei da vor allem der Einzug der Ballbesucher wirklich fesselt. Was der halben Welt der rote Teppich bei der Oscar-Verleihung ist, ist uns die Feststiege der Wiener Oper. Huldvolle Küsschen für die Kameras, dramatisches Haupthaar. Kleider, die die bange Frage aufwerfen, warum Frauen mit makellosen Körpern und ebensolchen Finanzen meistens modisch schlecht beraten werden. "Mein Kleid gehört ganz Österreich", hat dafür ORF-Moderatorin Kiesbauer versprochen. Trost oder Schadenfreude? Meine Sehnsucht nach ein wenig Glamour wird auch heuer unerfüllt bleiben. Dennoch ein Pflichttermin.
Als Kontrastprogramm böte sich der Auftritt von Smoky Finish im Chelsea an (21.30 Uhr). Die fünf Folk-Musiker, die ihre Musik als Rock & Reel bezeichnen, eine Mischung aus keltischer Musik, Rock, Blues und Pop, gelten als außergewöhnliche Live-Band. Schon ihre letzte CD fand internationalen Anklang, heute wird der neue Wurf "Tune the speed" vorgestellt.
Wenn schon kein Glamour, dann aber richtig. Die kleine Schäbigkeit des Alltags und der permanente Schmerz ob des Wissens darum beschäftigen Miles, Englischlehrer und Möchtegern-Buchautor, im grandiosen Film Sideways, der morgen, Freitag, in den Kinos anläuft. Sein Freund Jack, ein abgehalfterter TV-Seriendarsteller, will auf der gemeinsamen Tour durch Kaliforniens Weingärten nichts von den besten Weinen des Landes, dafür alles von den am besten verfügbaren Frauen wissen. Immerhin steht ja am Wochenende danach seine Hochzeit an. Der Trip der ungleichen Freunde wird zur tragikomischen Odyssey zwischen Sauvignon Blanc und Midlife-Crisis. Ein feinfühliges Porträt ganz normaler Männer in den Vierzigern, die ihre besten Jahre ausschließlich in der Vergangenheit vermuten.
Apropos früher war alles besser: Am Freitag wird im Chelsea wieder zum 80s Club gebeten. Immer dasselbe, immer unterhaltsam. Keine Überraschung - keine Enttäuschung.