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Amazon & Zalando: Wer braucht noch Gewinn?

(c) Reuters
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Hoher Umsatz, kein Gewinn. Firmen wie Amazon oder Zalando machen kaum Geld und kommen trotzdem damit durch. Wie kommt das?

Am liebsten würde Zalando seinen Wert knapp vor dem geplanten Börsegang wohl in Glücksschreien messen. Auf seinen Gewinn sollte der Internet-Modehändler hingegen eher nicht hinweisen. Es gibt nämlich keinen. 2013 stieg der Umsatz um 52 Prozent auf 1,76 Mrd. Euro, gleichzeitig weitete sich der Verlust auf stolze 120 Mio. Euro aus. Und trotzdem gilt die Firma als höchst erfolgreich.

Zalando ist kein Einzelfall. Auch Amazon, der größte Online-Händler der Welt, ist vor allem ein Umsatz-Gigant. 2013 gingen 74,5 Mrd. Dollar (54,4 Mrd. Euro) durch die Hände des Konzerns. Vergleichsweise mickrige 274 Mio. blieben als Gewinn hängen. In den letzten fünf Jahren hat Amazon-Gründer Jeff Bezos den Umsatz verdreifacht, den Profit halbiert – und dafür den Jubel der Börsen kassiert. Warum eigentlich? Haben wir den Faktor „Geld verdienen“ bei Unternehmen immer überschätzt?

Ist im Internet alles anders?

These eins: Im Internet ist alles anders. Fast jeder Web-Titan von heute hat einmal als geldfressendes Start-Up begonnen. Investoren geben dennoch gerne Millionen, solange sie hoffen können, vielleicht das nächste Google oder Facebook zu finanzieren. Das ist hoch riskant, geht öfter schief als gut – und passt gar nicht als Erklärung für Amazon und Zalando. Denn die beiden Online-Händler sind keine High-Tech-Unternehmen mit bahnbrechenden Ideen, die es sich leisten könnten, erst später ein Geschäftsmodell zu suchen. Ihr Geschäftsmodell liegt auf der Hand: Zeug einkaufen und verkaufen. Am besten so, dass möglichst viel bei ihnen hängen bleibt. Daran kann es also nicht liegen.

These zwei: Die Firmen investieren all das Geld in die Expansion, um Marktanteile an sich zu raffen und später so richtig abzukassieren. Tatsächlich haben beide Online-Händler viel Geld in Marketing, Rabattschlachten, Expansion und neue Märkte gesteckt. Dass Amazon dadurch kaum noch Geld verdient, kümmert Jeff Bezos nicht.

Wirklich überraschend ist, dass seine Aktionäre das ähnlich sehen. Denn üblicherweise gibt es einen guten Grund, warum Firmen gesunde Profitmargen anpeilen: Die Anteilseigner verlangen es so. Gut, Zalando ist noch gar nicht an der Börse. Da ergibt es Sinn, das Unternehmen aufzublasen, um es später teurer verkaufen zu können. Aber Amazon ist kein junges Unternehmen mehr. Es ist fast 20 Jahren im Geschäft, seit 1997 an der Börse. Wie kann es sein, dass eine Welt, die sonst Gewinne im 3-Monatstakt fordert, einen derart alten Hasen komplett vom Haken lässt?

Die simple Erklärung bietet These drei: Die Investoren haben keine Wahl. Wohin sollen sie sonst mit mit dem billigen Geld, das die Zentralbanken in den vergangenen Jahren geschaffen haben? Staatsanleihen, Rohstoffe, Immobilien? Diese Blasen waren doch auch alle schon gefüllt. Warum sollten sie es also nicht wieder einmal mit dem Internet probieren?

Amazon könnte, wenn es wollte

Wäre das die einzige Erklärung, hätten Internetfirmen allen Grund, vor Glück zu schreien. Schließlich hieße das: Fast 20 Jahre Verluste schlucken Investoren locker, wenn sie nur genug Spielgeld haben.

Doch so einfach ist es nicht. Zumindest für Amazon versteckt sich die Antwort hinter These vier. Und sie heißt: Jeff Bezos. Der Gründer hat es früh geschafft, die Wall Street von seinem heutigen (Geldvernichtungs-)modell zu überzeugen. Gemacht hat er das mit saftigen Gewinnen. Kurz nach der Jahrtausendwende, als fast alle Dot-Com- Firmen bankrott gingen, stieg er auf die Bremse und fuhr ein paar Jahre Gewinne ein. Die Investoren waren begeistert von ihrer einen Internet-Aktie, die im Crash Geld generiert. Sie wissen: Jeff Bezos muss kein Geschäftsmodell finden, er muss nur den Schalter umlegen. Dafür bekommt er das Vertrauen der Börsen heute quasi geschenkt.

(Die Presse. Printausgabe vom 15.2.2014)