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Beliebtheit: Kurz und Klug, die Umfragekaiser

Gerald Klug, Sebastian Kurz
Gerald Klug, Sebastian KurzDie Presse
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Sebastian Kurz und Gerald Klug sind die beliebtesten Regierungsmitglieder. Bei beiden waren die Erwartungen gering. Und beide nutzen ihr Kommunikationstalent.

Wien. Sebastian Kurz erzählt die Geschichte gern: Damals, er war noch frisch im Amt als Staatssekretär, blätterte er eine Zeitung durch. Und da war er, der Schreck einer jeden politischen PR-Abteilung: das Ranking der beliebtesten Politiker – alias Vertrauensindex. Sein Foto befand sich ganz, ganz hinten. Und darunter zog sich ein langer, roter Balken. Das war schon Schock genug. Dann bemerkte er noch, dass der Balken mit einer Zickzacklinie unterbrochen war: Seine Werte gingen so weit in den Minusbereich, dass die Länge der Seite nicht dafür ausreichte, sie anzuzeigen.

Spätestens an diesem Punkt hat Kurz die Lacher auf seiner Seite. Und er amüsiert sich mit. Schließlich gab es für ihn ein Happy End: Jetzt, drei Jahre später, ist Kurz nicht nur die Karriereleiter emporgestiegen. Der neue Außenminister kletterte auch bei den Rankings immer weiter nach oben. Bei der am Freitag präsentierten OGM-Umfrage (siehe Grafik) ist er das beliebteste Regierungsmitglied. Schon wieder.

Und auch der Platz hinter ihm ist seit Monaten fix reserviert. Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) ist Kurz im Ranking schon dicht auf den Fersen. Bei beiden Politikern stellt sich die Frage: Warum sind sie so beliebt?

Eine Antwort ist besonders naheliegend: Die Erwartungen waren bei beiden nicht wirklich hoch. Und sie zu übertrumpfen demnach nicht besonders schwer. Kurz hing seine Zeit als JVPler im Geil-O-Mobil nach, und auch für das frisch begründete Integrationsstaatssekretariat gab es keine Vergleichswerte. Klug hingegen sollte nur eines machen: Die Truppe stärker motivieren als sein Vorgänger Norbert Darabos. Dass Klug eine militärische Stoppelfrisur auf dem Kopf und den Punkt „Grundwehrdienst“ im Lebenslauf stehen hatte, waren dafür schon von Vorteil – so oberflächlich das klingen mag.

 

Rückhalt aus dem Ressort

Das allein reicht aber in beiden Fällen nicht aus, um ihren Höhenflug zu erklären. Vielmehr kommt ihnen eine andere Charaktereigenschaft zugute: Sie sind geschickt, was die Kommunikation angeht. Zum einen in ihrem eigenen Ressort: Kaum angelobt, trommelten beide die höchsten Beamten zusammen. Um sich kennenzulernen und sich für die zukünftige Zusammenarbeit zu rüsten. Aber vor allem: um zuzuhören. Und zu zeigen, dass man sich für das Thema interessiert.

Das hat einen Vorteil: Es gibt kaum Negatives aus den Ressorts zu hören. Denn man will den Neuankömmlingen mit möglichen Negativschlagzeilen nicht schaden. Das wirkt sich wieder auf das Image innerhalb der Bevölkerung aus.

Auch nach Außen verfolgen sie dieselbe Strategie: immer freundlich, niemals unhöflich. Ein Termin jagt den nächsten, auch medientechnisch achten beide mehr als andere Minister darauf, immer wieder vorzukommen. Anecken oder negativ auffallen wollen beide um keinen Preis. Jedes Wort ist durchdacht, jede Antwort besonders vorsichtig ausgedrückt.

 

Asylpolitik und NSA tabu

Negativen Themen geht man allgemein gern aus dem Weg: Klug äußerte sich so wenig wie möglich zum NSA-Skandal. Und Kurz gab in seiner Zeit als Integrationsstaatssekretär unbeliebte Themen ab. Asylpolitik und Abschiebungen, das fiel und fällt noch immer nicht in seinen Bereich. Darum kümmert sich Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), der „Bad Cop“ im (ehemaligen) Duo mit Kurz.

 

Das neue Duo

Jetzt gibt es allerdings ein neues Tandem. Und das heißt ausgerechnet Kurz und Klug: Der Außenminister verhandelt mit dem Verteidigungsressort mitunter heikle Materie, wie etwa die Auslandseinsätze des Bundesheeres.

Den ersten gemeinsamen Auftritt haben die beiden aller Voraussicht nach am Dienstag. Sie sollen statt Kanzler und Vizekanzler beim Pressefoyer nach dem Ministerrat auftreten und einen Beschluss verkünden. Verraten will man den noch nicht. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die österreichische Truppe im Kosovo um 130 Mann verstärkt wird.

Eines ist allerdings gut möglich: Die beiden könnten im Pressefoyer mit Gegenwind zu rechnen haben. Denn bereits vergangene Woche gab es einigen Unmut darüber, dass sich Werner Faymann (SPÖ) und Michael Spindelegger (ÖVP) nicht den Fragen zur Hypo stellten.

Kurz und Klug werden wohl auch auf Derartiges vorbereitet sein. Und antworten, wie sie es immer tun: freundlich, gewandt, oft wenig konkret und daher unangreifbar. Zumindest in Umfragen ein Erfolgsrezept, das sich Mentor Spindelegger von Kurz abschauen könnte: Der ÖVP-Chef ist im Ranking auf den drittletzten Platz gerutscht.

DiePresse

AUF EINEN BLICK

Vertrauensindex. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) ist das beliebteste Regierungsmitglied. Ihm folgt Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ). Der große Verlierer der OGM-Umfrage ist Vizekanzler und Finanzminister Michael Spindelegger: Schon die parteiinterne Krise kratzte an seinem Image, jetzt setzt ihm auch die Hypo-Krise zu. Er ist nun der Minister mit den geringsten Vertrauenswerten. Weniger haben von den Spitzenpolitikern nur noch FP-Chef Heinz-Christian Strache und Kathrin Nachbaur (Team Stronach).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2014)