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ntsetzlich, diese Primitivität. Stöhnt die junge Kollegin. Sie verstehen das nicht, meine Liebe, der Mann ist genial, ein Philosoph! Widerspricht der ältere Kollege. Man streitet über Michael Houellebecq und sein neues Buch "Die Möglichkeit einer Insel" (DuMont; 24.90€). Schlechter Stil, sophisticated Trash oder gar höhere Zeitkritik à la Française? Mir ist es egal. Ich wälze noch immer Jonathan Franzens "Schweres Beben", übrigens weniger eine Familiensaga, wie es zuerst schien, als ein hellsichtiger Umwelt-Krimi, Kapitalismus-Kritik inklusive.
Freilich: Was täten wir ohne Kapital? Vor allem zu Schulbeginn entschwinden die Euro-Noten so rasant, dass man an Nestroys Wort vom Gelde denken muss, das sich auf schwerfälligen Podagrafüßen herbei bequemt und auf leichten Zephirflügerln wieder davonfliegt. Apropos Nestroy: Seine Verwechslungskomödie Eisenbahnheiraten hat heute in den Kammerspielen Premiere. Wir hoffen, dass uns die vorhersehbare Heiterkeit den Grant darüber vertreibt, dass der Sommer wieder einmal just im urlaubslosen September so frech erblüht ist. Aficionados rüsten sich für die nächste heftige Theaterwoche: mit schrägen "Räubern" am 14. 9. im Rabenhof, "Nora" am 15. in der Josefstadt, "Verschwender" am 16. im Burgtheater. Jählings Verschnupfte schwelgen daheim in Erinnerungen: Vor 50 Jahren (am 30. 9. 1955) starb James Dean: "Gigant, Rebell, Teeniestar". Celebrities-Spezialist Bertrand Meyer-Stabley hat über ihn eine Biografie geschrieben (Verlag LangenMüller, 19.90€).