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Muslimin eröffnet Bar: Morddrohungen

(c) REUTERS (CARLOS BARRIA)
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In Rotterdam hat eine Wirtin aus Marokko arge Probleme mit Glaubensgenossen. Bürgermeister Ahmed Aboutaleb wies die Polizei an, die Bar im Auge zu behalten.

Rotterdam. Sie ist eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern im Alter von neun, 13 und 15 Jahren. Ihre Kinder will sie nicht nur erziehen, sie sollen auch eine gute Ausbildung erhalten. Also arbeitet die Marokkanerin Elou Akhiat (40) hart und viel.

Nach ihrer Scheidung vor acht Jahren hat sie sich emanzipiert, nahm das Kopftuch ab, machte eine Ausbildung für die Gastronomie. Jüngst eröffnete die Muslima in Rotterdam eine Weinbar namens Uvo Dolce, da sie viele Weine aus Italien führt. Folge: Akhiat erhielt hunderte Morddrohungen von Glaubensbrüdern. Sie wird als „Hure“ beschimpft, in sozialen Onlinemedien geächtet und ist Ziel von Lügengeschichten.

 

Ihr Vater hat nichts dagegen

Ihr Vater (74) ist ein in Rotterdam lebender Imam, der nichts gegen die Bar seiner Tochter hat. Er sei „der coolste Vater, den ich kenne“, sagt Akhiat. Sie leide unter den Morddrohungen gegen sie. „Natürlich weiß ich, dass Alkohol und Islam nicht zusammenpassen. Aber ich bin Weltbürgerin. In meiner Bar wird niemand gezwungen, Wein zu trinken. Ich habe auch Tees und Schokolade sowie alkoholfreien Halal-Wein.“ Sie sei Unternehmerin und wolle bloß Geld verdienen.

Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb, selbst Muslim aus Marokko, wies die Polizei an, die Bar im Auge zu behalten. Uva Dolce könnte gar ein neuer schicker Hotspot werden: Im Internet gibt es eine mächtige Unterstützungsbewegung für die Wirtin. (htz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2014)