Schnellauswahl

Nervöse Anleger sind ein gutes Zeichen für die Aktienmärkte

(c) www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
  • Drucken

Aktien sind noch immer attraktiver als Anleihen, erklärt Bank-Austria-Analystin Monika Rosen.

Wien. Das laufende Jahr war vor allem von einer Korrektur an den Börsen, Turbulenzen bei Schwellenländer-Währungen und einem Comeback des Goldpreises dominiert. Weitaus weniger Beachtung fand eine andere Rallye: Die Anleihenmärkte haben seit Jahresbeginn kräftig angezogen. Deutsche Staatsanleihen brachten ihren Anlegern zwei Prozent, amerikanische auf Eurosicht sogar etwas mehr. Auch US-Unternehmensanleihen waren seit Anfang Jänner ein gutes Geschäft.

„Eine Fortsetzung dieses Trends ist schon sehr schwierig“, stellte Monika Rosen, Chefanalystin Private Banking bei der Bank Austria, kürzlich bei einem Gespräch mit Journalisten fest. Ein Grund mehr, um auf Aktien zu setzen. Trotz der jüngsten Korrektur. Der langfristige Aufwärtstrend sei intakt, auch noch im US-amerikanischen S&P-500-Index. Dafür spreche auch, dass vermögende Privatinvestoren in den USA derzeit zu 39 Prozent auf liquide Mittel und nur zu 25 Prozent auf Aktien setzten. „Die Leute warten auf eine Korrektur.“ Kommt es erneut zu einer solchen, ist genug Geld da, um rasch wieder in die Aktienmärkte zu fließen.

 

Wenige Pessimisten in den USA

Doch wenn ein Bullenmarkt schon so lange läuft wie der gegenwärtige, dann sei Vorsicht geboten, schränkt Rosen ein. Man sollte auf Risikoanzeichen wie eine allzu gute Stimmung unter den Investoren achten. Derzeit ist der Anteil der US-Anleger, die sich selbst als „bearish“ sehen (also als pessimistisch), mit 16 Prozent relativ gering. Je mehr Pessimisten, desto mehr Geld steckt normalerweise (noch) nicht in den Aktienmärkten und kann noch dorthin fließen. Andererseits sind nur 44 Prozent „bullish“ (optimistisch), 40 Prozent sehen sich als neutral. Das sei noch kein Anzeichen einer übertrieben guten Stimmung.

Doch gibt es auch Indizien dafür, dass sich der jahrelange Boom langsam seinem Ende nähern dürfte. Seit 2011 zeichnet sich eine Trendwende ab: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der US-Aktien zieht wieder an. „Seit damals steigen die Aktienkurse stärker als die Gewinne“, stellt Rosen fest. In den Jahren davor ist es umgekehrt gewesen; Aktien haben sich sukzessive verbilligt. Noch liegt das KGV zwar nur knapp über dem historischen Schnitt, billig sind US-Aktien damit aber nicht mehr. Weitere Turbulenzen an den Börsen sind daher möglich, zumal die Anleger sehr nervös sind. Letzteres sei aber gut, meint Rosen: Eine große Korrektur komme meist dann, wenn vorher alle euphorisch waren.

Was die einzelnen Aktienmärkte betreffe, so seien die Schwellenländer derzeit jedenfalls nicht teuer. Ob und wann eine Erholung einsetzt, hänge jedoch von der wirtschaftlichen Entwicklung in den aufstrebenden Volkswirtschaften ab. Doch nicht nur bei den Emerging Markets sieht die Expertin Aufwärtspotenzial, auch Japan traut sie noch einiges zu.

 

Streuen mildert Kursausschläge

Bank-Austria-Vorstand Robert Zadrazil verweist darauf, dass die Streuung über eine breite Anzahl von Assetklassen Schwankungen verringern und substanzielle Verluste vermeiden kann.

So waren japanische Aktien im Vorjahr die zweitertragreichste Kategorie nach US-Aktien. Zwei Jahre zuvor handelte es sich jedoch um die zweitschlechteste Anlageklasse nach Emerging-Markets-Aktien. Im Jahr 2009, dem Jahr nach der schweren Finanzkrise, hätte man jedoch mit Emerging-Markets-Aktien so viel Geld verdienen können wie mit keiner anderen Anlagekategorie. Gold hatte in den Jahren 2010 und 2011 die Nase vorn, im Vorjahr war es hingegen eine der schlechtesten Assetklassen.

Ende Dezember verwaltete die Bank Austria 827 Mio. Euro im Private Banking. Künftig will man verstärkt auf die Generation der Erben setzen. Denn in den kommenden 30 Jahren sollen in Österreich 510 Mrd. Euro vererbt werden. Da entstehe viel Beratungs- und Veranlagungsbedarf. (b.l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2014)