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arum findet Theater eigentlich fast immer nur abends statt? Ok, keine ganz originelle Frage. Auch der Kritiker Hermann Bahr hat sie gestellt. Ja, ich weiß, wir haben wirklich anderes zu tun, als von acht Uhr morgens bis Mitternacht im Theater zu sitzen. Manchmal ist es schon abends zu viel. Aber: Werden wir nicht tagtäglich beschossen mit allen möglichen Reizen, Geräuschen, Belästigungen? Wäre es da nicht fein, von Zeit zu Zeit einen ganzen Tag still in dunklen Räumen sitzend mit Kunst live zu verbringen. Zum Beispiel heute: morgens Vor Sonnenaufgang (Burg): Gerhart Hauptmanns Erstling, aktualisiert, bilderreich inszeniert von Nicolas Stemann: Kampf eines Realo und eines falschen Visionärs. Mittags: Schnitzlers Ehe- und Psychodrama Das weite Land am Originalschauplatz in Baden. Nachmittags: Eine Bank in der Sonne, Senioren-Komödie mit Christine Ostermayer (!) und Otto Schenk in den Kammerspielen. Und abends: Spartacus (Ballett, Heldenepos, Choreografie: Zanella, Staatsoper). Damit keine Verwirrung entsteht: Alle diese Vorstellungen finden heute statt, aber eben: abends.
Genre-Wechsel: "Ihr Mädchen seid wie die Gärten des Abends im April, Frühling auf allen Fährten, aber noch nirgends ein Ziel", dichtete Rilke. Schwierigen Mädchen-Themen widmet sich auf psychologisch feinfühlige, nichts beschönigende Weise Autorin Jutta Treiber: Der blaue See ist heute grün heißt ihr neues Buch über eine ungeplante Schwangerschaft. 2003 erschienen: Vergewaltigt (beide bei Ueberreuter).