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Gazprom macht sich in Europa breit

Gazprom, Russland
(c) APA/EPA/MAXIM SHIPENKOV (MAXIM SHIPENKOV)
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Der russische Gaskonzern hat 2013 bereits jenen Rekordmarktanteil erzielt, den er bis 2020 angepeilt hat.

Wien. Während das Geschäft des weltweit größten Gaskonzerns, Gazprom, auf dem Gebiet der GUS-Staaten zu wünschen übrig lässt und die Ukraine soeben wieder um Zahlungsaufschub bis Mitte April gebeten hat, breiten sich die Russen auf dem ohnehin lukrativen EU-Raum aus wie nie zuvor.

Wie aus der Präsentation einer neuen Wertpapieremission hervorgeht, hat der Konzern nicht nur die zwischenzeitlichen und krisenbedingten Verkaufsrückgänge wettgemacht. Er hat seinen Anteil auf dem europäischen Gasmarkt im Vorjahr auch auf einen neuen Allzeitrekord von 29,9 Prozent gesteigert. 2012 lag der Anteil noch bei 26 Prozent, 2010 gar nur bei 23 Prozent. Auf den jetzigen Anteil von 30 Prozent wollte Gazprom ursprünglich erst im Jahr 2020 kommen.

Dass es nun vorzeitig gelang, verdankt sich mehreren Umständen. Zum einen ging die Förderung in Europa selbst zurück. Zum anderen lieferten Konkurrenten weniger – darunter Norwegen. Auch Großlieferant Algerien fuhr die Lieferungen um 18,5 Prozent auf 37,9 Mrd. Kubikmeter zurück, weil der Binnenverbrauch gestiegen war. Außerdem ging in Europa der Zukauf von Flüssiggas (LNG) zurück: LNG-Produzent Qatar, der vor wenigen Jahren den Russen das Leben in Europa schwer gemacht hatte, indem er seine Exportströme von den USA nach Europa umgelenkt hatte, brachte nun um 20,7 Prozent weniger auf den europäischen Markt. Asien ist jetzt der LNG-Großabnehmer.

Der Preis sinkt

Gazprom hat in West- und Zentraleuropa 162,7 Mrd. Kubikmeter Gas (das Achtzehnfache des österreichischen Jahresverbrauchs) verkauft. Deutschland, der größte Abnehmer, hat um 21 Prozent mehr bei den Russen erworben, Italien wegen der Lieferausfälle aus Algerien gar um 68 Prozent, Großbritannien um 53,8 Prozent. Nur die Türkei kaufte weniger zu, weil dort der Iran als Lieferant expandiert. Gazproms durchschnittlicher Exportpreis sank um 5,5 Prozent auf 380 Dollar je 1000 Kubikmeter, Tendenz sinkend.

Da Asien auch weiterhin den Großteil des LNG-Gases verbrauchen wird, wird die Nachfrage nach russischem Gas künftig weitersteigen, meint Lev Snykov von Greenwich Capital zur russischen Wirtschaftszeitung „Wedomosti“: Gasimport über die existierenden Pipelines sei die einzige Alternative.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2014)