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Burg-Chef: „Wie zu einem Gulasch vermengt“

Burgtheater, Hartmann
Matthias Hartmann am Dienstag vor der Presse: Vorgestellt wurde ein Ungarn-Festival, zuvor gab es aber ein Statement zur Misere des Burgtheaters.(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
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Bei einem Pressegespräch informierte Hartmann über das Ungarn-Festival. Fragen zum Budgetloch verbat er sich im Vorfeld, gab aber dann doch ein Statement ab.

Am Dienstag stellte sich der wegen der Finanzaffären und -probleme seines Hauses seit Wochen in die Kritik geratene Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann in einem Pressegespräch zur Verfügung – um über das Festival „Szene Ungarn“ zu informieren, das von 14. bis 20. März in seinen Häusern veranstaltet wird. Zur Causa der im November 2013 fristlos entlassenen Vizedirektorin und ehemaligen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky oder zum Misstrauen, das ihm und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Georg Springer eine große Mehrheit des Ensembles am vergangenen Freitag in einem offenen Brief an den für Kultur zuständigen Kanzleramtsminister Josef Ostermayer aussprach, wollte er sich vorerst jedoch nicht weiter äußern.

Wie berichtet schenkt das Ensemble nämlich der Behauptung keinen Glauben, dass nur Stantejsky für die Misere verantwortlich sei, Hartmann und Springer hingegen nichts von allen Ungereimtheiten mitbekommen haben wollen. Die ehemalige kaufmännische Direktorin bestreitet im Übrigen alle Vorwürfe, und die haben durchaus Gewicht: Unter anderem ist in dem Bericht von der Fälschung von Unterschriften und der Vorspiegelung falscher Tatsachen die Rede.

Der Zwischenbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die damit beauftragt worden ist, die Gebarung von Stantejsky genau unter die Lupe zu nehmen, liegt dem Direktor und den Aufsichtsratsmitgliedern bereits vor. Der endgültige Report soll Ende Februar fertig sein. Hartmann kündigte sein Schweigen gestern bereits im Voraus per Mail an. Er wolle den Dialog mit den Mitarbeitern nicht stören. „Ich befinde mich zurzeit mit verschiedenen Teilen des Ensembles in einem Dialog. Den nehme ich sehr ernst,“ sagte er in einem Statement. Keinesfalls war es ihm wohl daran gelegen, mit einer seiner Aussagen atmosphärische Irritationen hervorzurufen, wo doch nur wenig später die Ensembleversammlung stattfinden sollte. Die Vertretung der Künstler hatte dazu geladen, um ihren Kollegen von dem Treffen zu berichten, das schon am Sonntagnachmittag mit dem kaufmännischen und dem künstlerischen Direktor stattgefunden hatte. Hartmann hatte nämlich, nachdem er von dem Misstrauensvotum erfahren hatte, Maria Happel, Roland Koch, Regina Fritsch und Dorothee Hartinger zur Besprechung geladen.

„Gefordert ist Transparenz“

Bei dem Pressegespräch betonte er seine Bereitschaft zur Offenheit, die vonseiten des Ensembles dringend verlangt wird: „Gefordert ist jetzt Transparenz. Die Kräfte, die das beschleunigen wollen, schaffen sie nicht.“ Es habe sich wegen kolportierter Sparmaßnahmen oder der drohenden Schließung von Häusern starker medialer Druck aufgebaut, der zu Existenzängsten bei Mitarbeitern führe. „Ich kann die Verunsicherung und Sorge im Ensemble gut nachvollziehen“, sagte der Direktor. Zwei Themen (der Fall Stantejsky und das zu erwartende Budgetloch von über zwölf Millionen Euro) hätten sich wie zu „einem Gulasch“ vermengt. Zum Defizit meinte er noch, die Unterfinanzierung sei schon lange spürbar gewesen, schon unter seinem Vorgänger Nikolaus Bachler, der bis 2009 das Burgtheater leitete.

Im Anschluss stellten Hartmann sowie sein Dramaturg Andreas Erdmann und der ungarische Theaterkritiker Tamas Jaszay das Festival vor, das hoch gerühmte freie Theatergruppen Mitte März nach Wien bringt. Es ist auch eine Kampfansage an die national-konservative Regierung in Budapest, die diese Szene auszutrocknen droht: „Die Regierung hat dadurch ihren Ruf ramponiert“, sagte Hartmann. Vorausgegangen war dieser solidarischen Aktion des Burgtheaters ein offener Brief des Direktors und österreichischer Künstler, in dem Ungarns Kulturpolitik kritisiert wird. Das Ungarische Nationaltheater hat inzwischen dadurch reagiert, dass es kurzfristig seine Zusage  für eine Teilnahme am Festival zurückzog. Begründung: der Finanzskandal des Gastgebers. Neben zwei Lesungen und einer Diskussionsrunde wird es also nur vier Aufführungen geben: Die Forte Company zeigt am 14. 3. „Das große Heft“ im Kasino, Katona Jószef Theater & Sputnik Shipping Company am 16. 3. „Anamnesis“ im Akademietheater, Krétakör am 17. 3. im Kasino „Corruption“, Béla Pintér am 19. 3. „Miststück“ im Akademietheater. Gespielt wird auf Ungarisch mit deutschen Übertiteln.

Zum Festival: www.burgtheater.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2014)