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US-Milliardär: Nur wer Steuern zahlt, soll wählen dürfen

Tom Perkins
Tom PerkinsREUTERS
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US-Milliardär Tom Perkins will sich Wählerstimmen kaufen dürfen. Klingt abscheulich, ist es auch. Aber gar nicht so viel anders als heute.

Tom Perkins hat es wieder einmal getan. Nachdem der US-Milliardär den steigenden Widerstand gegen das reichste Prozent der Amerikaner kürzlich mit der „Reichskristallnacht“ verglichen hat, schlägt er nun eine simple Lösung für das lästige „Demokratieproblem“ vor. Statt ein „one man, one vote“, sollte es künftig „one tax-dollar, one vote“ heißen. Wer keine Steuern bezahlt, hätte kein Wahlrecht.

Auf den ersten Blick ist das nicht mehr als der Beweis, dass man Perkins nicht zuhören sollte. Für die Zyniker unter uns ist die Idee aber ausbaufähig. Warum sollten Superreiche Ärmeren ihre Stimmen nicht abkaufen dürfen, wenn diese es wollen? Dagegen spricht vor allem, dass Reiche ihr Geld nicht nutzen können sollen, um überproportional viel Einfluss und Macht zu bekommen. Faktisch tun sie aber das natürlich längst. Nur eben über den Umweg hauseigener Medien und gut bezahlter Lobbyisten. Der Wegfall dieser Mittelsmänner könnte zumindest einen Teil der Summen zum sogenannten „kleinen Mann“ umlenken.

Klar, das wäre demokratiepolitisch ein Skandal und auf das Schärfste zu verurteilen. Aber, ganz ehrlich, so fern von der Realität ist die Vorstellung nicht. Schon heute lassen sich Wähler reihenweise von der Politik kaufen. Österreich ist keine Ausnahme. Man erinnere sich an die „Haider-Hunderter“, die der frühere Kärntner Landeshauptmann verteilt hat. Dass er selbst Kärnten wirtschaftlich in den Graben gefahren und so die missliche Situation der „Beschenkten“ mitverursacht hat, interessierte nicht. Auch Rot-Schwarz beherrschen den Stimmenkauf per Wahlgeschenk. Der größte Unterschied zum Modell Marke Perkins: Die „Geschenke“ der Politiker bezahlen wir selbst. Wäre es da nicht besser, die Milliardäre langen zu? Die zahlen wenigstens mit ihrem eigenem Geld.

Die Chance auf einen gekauften Kurswechsel stünde gut. Denn die (irrige) Annahme, dass Reiche nur reich sind, weil sie es verdienen und Arme nur arm, weil sie faul sind, ist nicht Tom Perkins vorbehalten. Der politische Gesinnungswandel auf dem Weg nach oben ist fast unvermeidbar, so eine Studie der britischen Universität Warwick. Dafür fragten Ökonomen Lottosieger, wen sie wählen würden und ob die Verteilung der Einkommen gerecht sei. Ergebnis: Schon nach 500 Pfund (608 Euro) Gewinn wechselten fünf Prozent ins rechte Lager. Je höher der Betrag, desto mehr wurden konservativ. Sie verdankten ihren „Reichtum“ dem Zufall und waren doch überzeugt, dass sie ihn verdient hätten und beschützen müssten.

Sollte sich irgendein Milliardär am Wort Stimmenkauf stoßen, hier der elegante Weg: Spendiert doch jedem seinen Lottogewinn und alles wird gut.

E-Mails an: matthias.auer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2014)