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"Monuments Men": Das monumentale Gähnen

George Clooney;Matt Damon;Bill Murray;John Goodman
George Clooney;Matt Damon;Bill Murray;John Goodman(c) Columbia Pictures Industries (Claudette Barius)
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Sieben Aufrechte jagen Hitlers Raubkunst und retten Europas Kultur. Mit amerikanischem Showdown in Altaussee, ganz ohne Österreicher. Ab heute im Kino.

Erst sieht man den Bösen, nämlich Göring in Paris, Champagner und den Anblick geballter Raubkunst genießend, dann jenseits des Atlantiks den Guten: George Clooney als Kunstrestaurationsexperten. Er fordert eine Taskforce, die in Europa die Kunst retten soll, vor den Nazis und dem Krieg überhaupt. Und schon treten sie auf, die Retter, gespielt von Hollywood-Größen wie Matt Damon und John Goodman, schlüpfen in die Uniform und machen sich auf nach Europa. Diese „ungewöhnlichen Helden“, bis auf einen Franzosen und einen Briten alles Amerikaner, haben ihr Leben riskiert, um Europas Kunst zu retten, will der Film „Monuments Men“ zeigen – ja mehr noch, Europas Geschichte. Denn Hitler erlässt zu Kriegsende seinen „Nero-Befehl“, damit drohen große Kunstschätze des Abendlands zerstört zu werden.

Der letzte Teil der wahren Geschichte ist tatsächlich filmreif. Zum Beispiel – die mit dichterischer Freiheit zugespitzte witzigste Szene des Films –, wenn zwei Monuments Men in Trier zum Zahnarzt gehen und dieser ihnen arglos seinen kunstbewanderten Schwiegersohn (Justus von Dohnányi) als Helfer empfiehlt: Er entpuppt sich als Hermann Bunjes, SS-Offizier und Schlüsselfigur in der Pariser Kunstraubaktion. Oder wenn die Monuments Men gegen Kriegsende ein von den flüchtenden Nazis zurückgelassenes Raubkunstdepot nach dem anderen finden. Dass sie über die Orte Bescheid wussten und die Herkunft der Kunstwerke rekonstruieren konnten, verdankten sie nicht zuletzt der Französin Rose Valland, hier von Cate Blanchett gespielt. Sie war Konservatorin des Pariser Museums Jeu de Paume, das den Nazis als Raubkunstdepot vor dem Abtransport der Bilder nach Deutschland diente. Nach ihrer Geschichte drehte John Frankenheimer vor 50 Jahren den Film „Der Zug“.

Aber warum kommen die Monuments Men so spät zu Hollywood-Ehren? Wohl auch, weil sich der auf den ersten Blick tolle Filmstoff auf den zweiten als gar nicht so toll entpuppt. Die Monuments Men, die in Wirklichkeit keine glorreichen sieben, sondern sehr viele waren, leisteten meist unspektakuläre Kleinarbeit und verzweifelten an fehlenden Materialien und Befugnissen. Sie arbeiteten nicht als eingeschworene Truppe, sondern verstreut über das Kriegsgebiet. Einige verloren ihr Leben, aber nicht so spektakulär wie im Film der von Hugh Bonneville gespielte Major Jeffries. Er radelt allein nach Brügge, um Michelangelos Madonna aus der Liebfrauenkirche wegzubringen, und wird in der Kirche erschossen.

 

80% Wahrheit? 40% wären besser

Das ist Fantasie, aber „zu 80 Prozent“ wollte George Clooney erzählen, wie es wirklich war. Er hätte sich auf 40 beschränken sollen. Wie filmt man, dass einer hier, der andere dort das und jenes tut und nicht weiterkommt? Im Fall von „Monuments Men“: katastrophal. Es ist ein Monument der Langeweile ohne große Spannungsbögen, und die dramaturgische Ödnis wird mit noch öderen Gemeinplätzen aus dem Kriegsfilmgenre gefüllt – Abenteuerstimmung, Zigarettenrauchen mit dem Feind etc. Genauso flach bleiben die Figuren, vielleicht abgesehen vom Major Jeffries, der kurz vor seinem Tod dem Vater schreibt, dass sein „Versager“-Leben nun doch noch einen Sinn bekommen habe.

Clooney war sicher durch die Historie gehemmt. Er orientierte sich am gleichnamigen Buch des Texaners Robert M.Edsel, das dieselben Geburtsfehler wie der Film hat: Eine spannende amerikanische Heldengeschichte soll erzählt werden, und doch will man ungefähr bei der Wahrheit bleiben, den realen Monuments Men ein Monument der Erinnerung errichten. Das Ergebnis ist zu wenig wirklichkeitsgetreu, um einen Eindruck zu vermitteln, wie es wirklich war, und gleichzeitig viel zu wirklichkeitsgetreu, um einen guten Film zu ermöglichen.

Am wenigsten genau mit der Wahrheit nimmt es der Film dort, wo andere Nationalitäten als die amerikanische ins Spiel kommen. Amüsant ist etwa das Ende der Schatzsuche im Salzbergwerk von Altaussee. Dort finden die Monuments Men all die Kunstwerke, die Hitler für sein geplantes „Führermuseum“ gehortet hat und die nach seinem „Nero-Dekret“ um ein Haar in die Luft gesprengt worden wären: u.a. Werke von Michelangelo, Rubens, Rembrandt oder Leonardo da Vinci. Wer nun aber dachte, dass das liebliche Altaussee im Film groß rauskommen würde, wird enttäuscht. Nur der Eingang und das Innere des Bergwerks werden gezeigt – kein Wunder, man kann ja nicht gut einen österreichischen Ort ganz ohne Österreicher zeigen. Letztere aber kann der Film nicht brauchen, weder die Bergleute noch die anderen Menschen, die in Wirklichkeit die Kunstschätze retteten, bevor die Monuments Men ankamen.

Die Ereignisse in Altaussee passen eben nicht zu einer zentralen Botschaft von „Monuments Men“: Amerikaner haben Europas Kultur gerettet. Nach all der Verachtung, die das „alte Europa“ den „kulturlosen“ USA schon entgegengebracht hat, war diese Schlagseite wohl zu verlockend. Sie sei Hollywood vergönnt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2014)