Quelle Meer. Siedereien an der Küste speisten das Land.
W
o nahmen die Maya das Salz her, mit dem sie ihre Städte versorg ten, deren Populationen in der Zeit von 600 bis 900 auf Zehntausende anwuchsen? In Caracol und Tikal sollen es über 100.000 gewesen sein, beide lagen im Regenwald, in dessen Wärme viel Salz gebraucht, aber wenig gefunden wird. Aus der Erde konnte es nicht kommen, der häufige Regen hat es schon lange ausgewaschen; aus der Nahrung konnten sie es auch nicht nehmen, die enthielt kaum salzhaltiges Fleisch, setzte sich aus Mais und anderen Feldfrüchten zusammen; und auch die Bäume reichten nicht: Zwar enthalten manche Salz, man kann es aus der Asche gewinnen, das wurde auch in kleinerem Rahmen betrieben. "Aber man hat das Holz auch als Bauholz verwendet, es ist unwahrscheinlich, dass viele der geeigneten Stämme für Salz verbrannt wurden", erklärt Archäologin Heather Mckillop (Louisiana State University): "Als Salzquelle bleibt die Küste übrig."
Dort, in einer Lagune von Belize, fand Mckillop anno 2002 erste Spuren der Maya-Salzproduktion, nun war sie wieder dort, mit vielen Studenten und ebenso vielen Schnorcheln, das Wasser in der Lagune ist ein Meter hoch. Früher lag der Meeresspiegel tiefer, die Maya errichteten eine ausgedehnte Salzindustrie: 41 Produktionsstätten haben die Forscher gefunden, die Balken der Häuser und Hallen wurden vom Torf verrottender Mangroven bedeckt und erhalten. Erhalten blieben auch Töpfe, in denen Salz durch Sieden gewonnen wurde: Man hat Meerwasser gekocht. Zwar nutzte man auch Salzbecken, die langsam von der Sonne ausgetrocknet wurden, aber während der Regenzeit konnte nur das Sieden liefern.
Wie wurde geliefert? Zentrales Fundstück ist ein Paddel, das irgendwann zwischen 670 und 960 geschnitzt wurde, genauer datieren kann man nicht. Es ist das erste Paddel überhaupt, das in dieser Region aufgetaucht ist, bisher kannte man Maya-Paddel nur aus kleinen Modellen und Kultgegenständen. Exakt so wie in diesen Darstellungen sieht es aus. Es muss bei Mckillop nur ein bisschen viel bewegen: Für sie beweist das Paddel erstens, dass das Salz per Kanu zu den Verbrauchern transportiert wurde.
Zweitens soll es zeigen, dass die Maya-Gesellschaft nicht so straff hierarchisch geordnet war wie bisher vermutet: "Es zeigt die Bedeutung von nicht staatlich kontrollierten Produktionsstätten in vorindustriellen Gesellschaften" (Pnas, 4. 4.). Andere Belege für dieses Urteil hat die Archäologin nicht, und das eine kleine Paddel - 1,43 Meter lang - wird so rasch nicht den Stand der Forschung über die soziale Organisation der Maya revolutionieren.