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Das Erbe der SMS ist noch lange nicht geregelt

A picture illustration shows icons of WeChat and Weibo app in Beijing
(c) REUTERS (� Petar Kujundzic / Reuters)
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WhatsApp ist beliebt und das Wachstum der App ist beeindruckend. Noch tummeln sich auf dem Markt aber etliche Anbieter.

Wien. Facebook mag das größte Online-Netzwerk der Welt sein, auf dem Markt der Instant-Messenger ist es allerdings eher eine Randerscheinung. Mittlerweile werden auf Smartphones fast genauso viele Internetnachrichten verschickt wie SMS. Der Haupterbe ist aber noch nicht gefunden. Einzig in den USA hat der „Facebook Messenger“ vergleichsweise viele Nutzer, in Europa und Südamerika herrscht WhatsApp. In Asien ist der Markt noch stärker fragmentiert. In einigen großen Märkten haben sich lokale Anbieter durchgesetzt, die nun auch nach Europa drängen. Und vielleicht sind sie dort sehr willkommen, schließlich ist Facebook in jüngster Zeit bei Datenschützern immer stärker in Verruf geraten, und das könnte nun auf WhatsApp abfärben. Ob man sich bei asiatischen Anbietern sicherer fühlen sollte, sei dahingestellt. Jedenfalls gibt es ausreichend Alternativen, sollte man WhatsApp nach der Übernahme nicht mehr über den Weg trauen.

 

WeChat ist Chinas WhatsApp

Die japanische App Line beispielsweise hat zu Jahresbeginn den Sprung vom Heimatmarkt nach Europa gewagt. Schon kurze Zeit später schaffte es die App in die Top-Platzierungen der Download-Statistiken. Neben der Nachrichtenfunktion bietet Line auch zahlreiche typische Funktionen eines sozialen Netzwerks. Weltweit hat Line bereits mehr als 300 Mio. Nutzer. Dasselbe gilt für das chinesische WeChat, das mit mehr als 400 Mio. Nutzern ähnlich groß ist wie WhatsApp, bisher aber hauptsächlich in China verwendet wird. Die größte Schwachstelle von WhatsApp ist die unverschlüsselte Übertragung der Nachrichten. Für Profis ist es keine Schwierigkeit, die Inhalte abzufangen und gelegentlich wird das durch Sicherheitslücken noch einfacher. Dieser Umstand könnte einigen Anbietern sicherer Apps Aufwind bescheren. Dazu gehört zum Beispiel der Blackberry Messenger, der als eine der wenigen Zukunftshoffnungen des angeschlagenen Smartphone-Pioniers gilt. Der „BBM“ wird vor allem geschäftlich genutzt, und es war sicher ein schlauer Schachzug, die App auch für Android und iPhone zu öffnen.

Im Fahrwasser der europäischen Angst vor amerikanischen Datenspionen versucht auch ein Schweizer Entwickler sein Glück. Die App Threema funktioniert im Wesentlichen genauso wie WhatsApp, bietet aber eine sichere Übertragung. Dazu werden die Nachrichten so verschlüsselt, dass nur Absender und Empfänger sie lesen können. Der Nachteil komplizierter und damit sicherer Verschlüsselungen ist, dass sie meist schwer zu bedienen sind. Ein Spagat, den Threesma bewältigt hat. Nur, wer ganz sichergehen will, dass ein bestimmter Zahlencode auch wirklich zu der gewünschten Person gehört, kann den Code bei einem tatsächlichen Treffen mit der Person verifizieren. Leider ist die Nutzbarkeit einer solchen App aber nicht nur vom eigenen Sicherheitsempfinden abhängig. Praktisch ist der Dienst nur dann, wenn möglichst viele Bekannte die App verwenden. Dass man mit Threesma ähnlich viele Freunde erreicht wie mit WhatsApp, ist schon aufgrund der niedrigen Downloadzahlen ausgeschlossen. (sg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2014)