Weiberrede Widerrede: Von Frau zu Frau

Ich habe also in "Woman" geblättert und wurde wirklich einmal überrascht. Von einem Netzwerk war da die Rede! Erfolgreiche Frauen wie Maria Rauch-Kallat, Brigitte Ederer und Danielle Spera sollen ihren Geschlechtsgenossinnen unter die Arme greifen. Man habe, erklärte die Redaktion, schon erste Erfolge verzeichnet, ja tolle Erfolge! So durfte sich eine Leserin über Premierenkarten eines Kabarettprogrammes freuen, eine zweite über eine Zahnbehandlung und eine dritte wurde durch Stilberatung zum stolzen Schwan! Jetzt frage ich mich, was das heißen soll: Dass wir die Unterstützung von Helene Karmasin und Johanna Rachinger brauchen, um den Weg zum Zahnarzt zu finden?

Nun kann man natürlich sagen: Na klar! Frauenzeitschrift! Wer nimmt das schon ernst! Aber so einfach ist es nicht. Netzwerke von Frauen funktionieren wirklich so: Wir tauschen Adressen von Ärzten, Friseuren aus, wir springen ein, hören zu, geben einander Tipps im Umgang mit unfähigen Chefs, intriganten Mitarbeitern. Was wir aber nie oder fast nie machen, ist: einander in die Steigbügel helfen. Darin haben wir keine Übung. Das erscheint uns ungehörig, was kein Wunder ist, weil wir die Art, wie Netzwerke funktionieren, vor allem aus den Medien kennen. Dort erfahren wir, dass Herr X von Herrn Y in den Aufsichtsrat der Gesellschaft entsandt wurde, worauf Herr X Herrn Y seinen Porsche zur Verfügung stellt. Das ist nun wirklich unmöglich!

Was wir dagegen aber lernen sollten, für möglich zu halten, sind Seilschaften, die nicht auf dem Prinzip Eine-Hand-wäscht-die-andere basieren. Ich denke da an meine Freundin, die die Firma gewechselt hat, um eine neue Abteilung aufzubauen. Toll. Ich wollte mit ihr darauf anstoßen, dass Qualität sich eben durchsetzt, doch meine Freundin wehrte ab: Sie habe den Job nur bekommen, weil eine Frau, die sie während ihres Praktikums in London kennen gelernt habe, eine Schwester hat, die in der neuen Firma im Management sitzt.

Ich möchte den Mann sehen, der sich darüber den Kopf zerbricht.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

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