Weiberrede Widerrede: Gescheitert!

I
ch führe gerne Interviews. Ich meine na türlich Interviews mit Künstlern und nicht mit Politikern, denn was daran so interessant sein soll, zum x-ten Mal den Parteichef Y zu fragen, ob er sich eine Koalition mit der Partei Z vorstellen kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Und seit die Politiker alle medientrainiert sind, gilt es ja schon als aufregend, wenn einer zugibt, dass man in einer Koalition auch Abstriche machen muss. Toll.

Künstler-Interviews dagegen: Das ist eine Herausforderung. Da ist Menschenkenntnis gefragt und Einfühlungsvermögen. Da muss man wirklich etwas zu fragen haben, wenn man interessante Antworten haben will! Da gibt es natürlich auch Tricks - nur muss man dabei nicht fies sein. Und am Ende hat man das Gefühl, man hat sich wirklich unterhalten.

Zugegeben: Es gelingt nicht immer. Bei Wolfgang Bauer etwa bin ich gleich zweimal gescheitert. Kann sein, es lag an mir, weil ich ihn nicht davon überzeugen konnte, dass ich eh auf seiner Seite bin. Oder es lag an ihm und er war zu nüchtern. Er wich aus. Oder er gab Plattitüden von sich. Oder er antwortete auf meine schon verzweifelt-weitschweifigen Bauer-Analysen mit einem knappen: Das kann schon sein. Beim dritten Mal traf ich ihn in einer Bar, er orderte binnen einer Stunde vier doppelte Whiskey und verstand am Ende nicht einmal mehr meine Fragen. Aber bis dahin! Es war ein tolles Gespräch.

Mit Fritz Muliar dagegen könnte jeder Trottel ein Interview führen - obwohl, jetzt wo ich das schreibe, bin ich mir da nicht so sicher: Ich glaube nämlich, Muliar kann Trottel nicht leiden. Jedenfalls ist er ein Interview-Profi: Er plaudert über seine Rolle, hat ein paar kluge Sätze zum Stück parat, streut seinen Mitspielern Rosen, liefert Druckreifes zum Zustand der Theaterlandschaft. Man braucht ihn nicht einmal zu fragen! Ja, ich glaube, Muliar hält Fragen für Zeitverschwendung. Wenn man geschickt ist, findet man vielleicht noch etwas, worüber Muliar gerne reden will. Religion oder Politik vielleicht. Dann ist es gut. Sonst ist es fad.

So ist das mit Muliar, und ich habe mir eigentlich gedacht, das geht allen so. Bis, ja bis Muliar bei Frau Stöckl im Fernsehen auftrat - und siehe da: Er antwortete auf ihre Fragen!

Ich habe mir zwar gesagt, dass das am Medium Fernsehen liegt. Aber ich muss zugeben: Geärgert habe ich mich trotzdem.

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